Porträtbild von Alexandra Horn; Quelle: Steffen Höft

Alexandra Horn

© Steffen Höft

Viele mittelständische Unternehmen waren in den letzten Jahrzehnten mit ihren bisherigen Geschäftsmodellen sehr erfolgreich. Mit der Digitalisierung stehen sie jetzt vor neuen Herausforderungen. „Diese wahnsinnig schnelle, globale Entwicklung ist nicht immer leicht zu bewältigen“, so die Erfahrung von Alexandra Horn. Während Forschung und große Unternehmen meist gut auf die digitale Transformation vorbereitetet sind, stehen kleinen und mittleren Unternehmen weniger Ressourcen zur Verfügung, „finanziell wie auch personell“. Dann auf Beispiele von großen Unternehmen und ihren digitalen Lösungen zu verweisen, ist nach Einschätzung von Frau Horn eher kontraproduktiv. „Der Mittelständler möchte wissen, was er selbst mit seinen Bordmitteln machen kann. Das Credo muss lauten: kleinere Lösungen für kleinere Unternehmen mit einem kleineren Budget.“

Hier setzt Horn, Leiterin des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Berlin, gemeinsam mit ihrem Team an. Vor allem Personalfragen sind es, die den Mittelstand im Zusammenhang mit der Digitalisierung beschäftigen. „Da kommen zum Beispiel Fragen wie ,Was ist, wenn meine Mitarbeiter bei der Umstellung auf digitale Prozesse nicht mitmachen oder gar kündigen?’“, erzählt Horn. „Oder ,Wie kann ich die sehr unterschiedlich ausgeprägten digitalen Kompetenzen meiner Mitarbeiter vereinen?’“ Hier geht es um Kernfragen der digitalen (Weiter-)Bildung. „Die Leute müssen wissen, wie sie digitale Tools am besten nutzen“, so Horn. Dazu bietet das Kompetenzzentrum webbasierte Lernprogramme und Webinare an.

Das seit Mai 2016 bestehende Berliner Kompetenzzentrum hat sich auf digitale Geschäftsmodelle, digitale Personalgewinnung und digitales Marketing spezialisiert und stößt damit auf großes Interesse. „Die Leute wollen wissen, wie sie ihr Unternehmen bekannt machen, wie ihr Unternehmen im Internet gefunden wird, aber auch, wie sie das Internet für die Kundenakquise nutzen können.“ Der Rat der Experten: die eigene Zielgrupe definieren und in geeigneter From ansprechen. Das können z. B. soziale Medien sein, oder aber auch ein Webauftritt, der für mobile Endgeräte optimiert ist.

Das Kompetenzzentrum hält für den Mittelstand ein vielfältiges Angebot bereit: themenspezifische Vorträge, Qualifizierungsmaßnahmen in Form von Workshops und Trainings sowie konkrete Umsetzungsprojekte – „das Herzstück des Zentrums“. Dafür gehen Horn und ihr Team direkt in die Unternehmen: „Wir erarbeiten gemeinsam mithilfe von Design-Thinking einen Fahrplan.“ Nach dieser Methode wird in Gesprächen mit den Unternehmern, ihren Mitarbeitern und Kunden zunächst analysiert, wo der jeweilige Bedarf im Unternehmen liegt. Auf dieser Grundlage werden digitale Lösungen entwickelt, die die bestehenden Prozesse verbessern. In Nutzertests werden diese „Prototypen“ überprüft, bevor sie im Betrieb eingesetzt werden. Über die Erfahrungen mit den Umsetzungsprojekten soll auch Wissen generiert werden, das anderen mittelständischen Unternehmen hilft. 

Unternehmen aus allen Sparten – Handwerk, Industrie und Dienstleistungssektor – suchen Rat und Hilfe im Kompetenzzentrum Berlin. Oft geht es erstmal darum, analoge Prozesse zu ordnen, um sie anschließend digital optimieren zu können. Manchmal liegt die Lösung ganz nah: „Bei einem Unternehmen, das Metallteile für einen Automobilkonzern lackiert, wurde allein ein RFID-Code an die Produkte angebracht, um die Schritte vom Wareneingang bis -ausgang zu erfassen. So konnte Transparenz in die Abläufe Einzug erhalten.“ 

Seit zehn Jahren ist Alexandra Horn im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) tätig, mittlerweile als Abteilungsleiterin für Verbandskooperationen und Projekte. „Mein Herz schlägt einfach für den Mittelstand – und jetzt, mit der Digitalsierung steht er vor neuen und spannenden Chancen.“ Digitale Lösungen spielen für sie auch privat eine wichtige Rolle – das Smartphone ist für sie unverzichtbar: „So bin ich mobil arbeitsfähig. Für manche Menschen mag das stressig sein, für mich ist es Entspannung. Wenn Wichtiges ansteht, bin ich sofort reaktionsbereit.“ Und nicht minder wichtig für die zweifache Mutter: „Die Digitalisierung ermöglicht mir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“