Kevin am Regiepult, wir sehen das Gesicht von Digitalisierung persönlich

© BMWi / Stefan Schacher

Es ist ein kühler Dezembertag in Leipzig, doch Kevin Blase ist weit davon entfernt, zu frieren – ganz im Gegenteil. Der 22-Jährige hat einen der wärmsten Arbeitsplätze in der sächsischen Handelsmetropole: Hoch oben in einer gigantischen Gewölbehalle hängt wie ein Schwalbennest die Plattform, von der aus Kevin die Bühnenbeleuchtung in der „Veranstaltungstonne“, einem Konzertsaal in der Moritzbastei, steuert. Obwohl der 300 Besucher fassende Raum noch leer ist, herrschen in fünf Metern Höhe tropische Temperaturen. Mehr als 40 Grad zeigt das Thermometer.

Wir treffen Kevin, gelernte Fachkraft für Veranstaltungstechnik, an einem historischen Ort: Die im 16. Jahrhundert errichtete Moritzbastei ist der einzige erhaltene Teil der Leipziger Stadtbefestigung. In späteren Jahren wurde die Bastei überbaut, nach dem Zweiten Weltkrieg mit Trümmerschutt zu- und verschüttet. Anfang der siebziger Jahre entdeckten Studenten das historische Gemäuer und beschlossen, die Kasematten freizulegen und darin einen Studentenclub einzurichten. Es folgten arbeitsreiche Jahre: In 150.000 unbezahlten Arbeitsstunden wurden rund 40.000 Kubikmeter Schutt entfernt. Insgesamt haben 30.000 Studentinnen und Studenten mit angepackt, unter ihnen die Physikstudentin Angela Kasner, unsere heutige Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Zur Wendezeit organisierten Studentinnen und Studenten hier Foren, Runde Tische und kulturelle Veranstaltungen. 1993 errichtete die Leipziger Universität eine Stiftung, um unter deren Dach den Weiterbetrieb der Moritzbastei als Ort der Begegnung und der Kultur zu ermöglichen.

„Eins zwo, eins zwo.“ „Kannst Du mich mal auf dem Monitor noch ein bisschen lauter machen?“ „Und jetzt noch mal die Snare bitte.“ Inzwischen ist die Band des heutigen Abends eingetroffen. Drangsal und seine Tourband haben ihre Verstärker und Instrumente bereits aufgebaut, jetzt läuft der Soundcheck. Kevin ist auf der schmalen steilen Eisenleiter heruntergeklettert. Als die vier Musiker und ihr Soundmann mit dem Klang zufrieden sind, ist Kevin wieder gefragt. Er steigt zur Band auf die Bühne und bespricht mit der Band, mit welchem Licht er sie am Abend in Szene setzen soll.

Kevin im Gespräch mit einem Mitglied der Band

© BMWi / Stefan Schacher

Kevins Gestaltungsmöglichkeiten haben sich in diesem Jahr deutlich verbessert: Die Moritzbastei hatte sich mit Erfolg um öffentliche Unterstützung beworben. Sie erhielt Geld aus dem neuen Förderprogramm der Initiative Musik gGmbH – der zentralen Bundesfördereinrichtung für die deutsche Musikwirtschaft. Das Programm hat zum Ziel, sogenannte Livemusikspielstätten bei der Digitalisierung der Aufführungstechnik zu unterstützen. Insgesamt bekamen bisher 217 kleine und mittelgroße Clubs in Deutschland Zuschüsse für Neuanschaffungen in den Technikbereichen Ton, Licht und DJ-Technik aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Leipziger Institution ist eine von acht Spielstätten, die in allen drei Technikbereichen gefördert wurde.

„Wir konnten herkömmliche 1000-Watt-Bühnenscheinwerfer durch RGB-LED-Scheinwerfer ersetzen. Das gibt uns ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem sind die neuen Scheinwerfer sparsamer im Energieverbrauch und heizen die Bühne deutlich weniger auf“, erklärt Kevin Blase. „Auch lassen sich bei den LED-Scheinwerfern die Farben ständig wechseln. Damit können wir viele neue Effekte setzen.“ Neben den Leuchtdiodenscheinwerfern konnte das Team der Moritzbastei ein neues kompaktes digitales Soundmischpult und moderne DJ-CD-Player anschaffen. „All die Sachen hätten wir uns sicherlich nicht auf einmal leisten können. Insgesamt können wir in allen Bereichen, bei Konzerten, Kulturveranstaltungen und Events viel mehr möglich machen als früher. Wir alle haben oft ein Leuchten in den Augen, wenn wir die neuen Geräte einsetzen und neue Dinge ausprobieren.“

Über unserem Gespräch ist die Zeit bis zum Konzertbeginn fast vergangen. Allmählich füllt sich das historische Gemäuer. Dem Leipziger Publikum ist die Vorfreude auf den Abend anzumerken. Noch kommt aus der leistungsstarken PA nur leise Hintergrundmusik aus der Konserve. Dann kommen die Musiker auf die Bühne. Die Scheinwerfer flammen auf. Hart und trocken gibt das Schlagzeug den Rhythmus vor, mit 180 Schlägen pro Minute. Der Bass beginnt zu pumpen, die ersten Gitarrenakkorde kommen hinzu und dann setzt der markante Gesang ein. Die Show ist eröffnet; die Leipziger Nacht hat begonnen.

Moritzbastei in Leipzig; Blick von oben auf das Publikum

© BMWi / Stefan Schacher