Grafik zu digitalen Abfallbehältern

© Binando

Der digitale Abfallbehälter – intelligente Müllentsorgung nach Bedarf

Ein funktionierendes, effizientes Abfallsystem ist eine der Kernaufgaben von Städten und Kommunen. Momentan folgen Müllabfuhren in der Regel festen Plänen und standardisierten Routen, alle Behälter werden unabhängig vom Füllstand immer zum selben Zeitpunkt angefahren und geleert. „Das verbraucht Zeit- und Ladekapazität, erzeugt unnötige Kosten und ist schlecht für die Umwelt“, erläutert Nikolaos Baltsios, einer der beiden Gründer des Stuttgarter Start-ups Binando.

Mit einem intelligenten Abfallmanagement wollen die Jungunternehmer dieses System umkrempeln und versprechen bis zu 30 Prozent effizientere Routen. Ihre Lösung: Digitale Sensoren in den Abfallbehältern messen die jeweiligen Füllstände. Basierend auf diesen Daten erstellt eine spezielle Software eine optimale Route, die direkt auf die Navigationssysteme im Fahrzeug übermittelt werden kann. „So werden die Behälter immer zur besten Zeit geleert, es gibt keine Überfüllungen und keine Leerfahrten.“

Gegründet wurde Binando 2016 in Kooperation mit der EnBW AG – entstanden ist die Idee zuvor im Rahmen des ACTIVATR-Programms, einer lokalen Initiative zur Gründung von Corporate Start-ups: Unternehmen geben Problemstellungen vor, zu denen von Start-up Talents Geschäftsmodelle entwickelt werden. „Unser Aufgabenfeld lautete damals Smart City Data. Um diesem weiten Feld ein wenig Griffigkeit zu verleihen, haben wir uns auf die Müllabfuhr konzentriert.“ Das Team machte sich Gedanken darüber, welche Aufgaben die Abfallwirtschaft tagtäglich zu erledigen hat und mit welchen aktuellen Technologien einen Mehrwert kreierten werden kann. „Wir waren überrascht, wie offen die Branche für Innovationen ist.“ Mittlerweile arbeitet Binando mit großen privaten Entsorgungsunternehmen sowie einigen kommunalen Entsorgern zusammen.

Was das Gründerduo besonders fasziniert, ist die Möglichkeit, mit modernen Technologien Ressourcen effizienter einzusetzen und lebenswertere Städte zu schaffen. „Die Entwicklungen im Internet of Things, also der Vernetzung von Gegenständen mit neuen Konnektivitätslösungen, bieten dafür ein hervorragendes Fundament.“

Nach einer intensiven Pilotierungsphase hat das Binando-System inzwischen Marktreife erlangt. Noch in den nächsten Monaten soll eine Stadt im Bereich der Altglasentsorgung komplett mit dem Binando-System ausgestattet werden, welche, wird derzeit noch nicht verraten. In fünf Jahren, da geben sich die Gründer sicher, werden alle Entsorgungsunternehmen die Produkte für verschiedene Abfallarten nutzen.

Straßen, die Geld verdienen statt kosten

Photovoltaikmodule, die auf Verkehrswegen installiert werden

© Solmove

Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Photovoltaikanlagen nicht vorwiegend auf Dächern, sondern auf bereits vorhandenen, versiegelten Flächen zu installieren – zum Beispiel auf Straßen. Donald Müller-Judex, Gründer des Potsdamer Unternehmens SOLMOVE, kam dieser Geistesblitz, als er auf der Suche nach freien Dächern durchs Allgäu fuhr: Warum nutzt man die durch Straßen bereits versiegelte Fläche nicht für mehr als den Straßenverkehr? „Die Idee war revolutionär, denn sie stellte Anforderungen an Straßen, Technologie und Material, die noch niemand vorher gelöst hatte,“ erzählt Till Nadolny, seit eineinhalb Jahren Produktchef bei SOLMOVE.

Das Unternehmen entwickelt Photovoltaikmodule, die auf Verkehrswegen installiert werden. „Das können Radwege, Gehwege, Plätze, Straßen oder die Flächen zwischen Bahngleisen sein“, so Nadolny. Mehr als 1,4 Milliarden Quadratmeter könnten in Deutschland so doppelt genutzt werden, als Verkehrsfläche und zur Stromerzeugung. Denn die rutsch- und bruchfesten Module haben eine spezielle Oberfläche, die das schräg einfallende Sonnenlicht optimal für die Stromerzeugung nutzt.

Wagniskapitalgeber aus Müller-Judex’ privatem Umfeld ermöglichten 2014 die Gründung des Unternehmens. „Erste Probestücke wurden noch selbst im Keller zusammengeschraubt“, erzählt Nadolny. Mittlerweile ist eine ganze Reihe von namhaften Forschungsinstituten und spezialisierten Industriepartnern an der Entwicklung beteiligt. Die RWTH Aachen führt im Auftrag des BMWi eine technische Bewertung des SOLMOVE-Konzeptes durch.

Ziel ist es, einen Solarteppich zu entwickeln, der auf Straßen und anderen Flächen „ausgerollt“ werden kann. „Dazu brauchen wir spezielles Glas, ein Gewebe und weitere Komponenten, die die anspruchsvollen Nutzungsanforderungen erfüllen können.“ Die Rechnung, die SOLMOVE aufstellt, ist einfach: Ein Quadratmeter erzeugt jährlich 100 Kilowattstunden Strom. Würden alle geeigneten Flächen genutzt werden, könnten jährlich 36 Millionen Elektroautos geladen werden – geht es nach der Vision der Unternehmer „induktiv und direkt auf der Straße“. Diskussionen um mangelnde Reichweite und Ladesäuleninfrastruktur hätten sich weitgehend erledigt. Weiterer Vorteil: „Städte und Gemeinden könnten die eigenen Kosten für Straßenbau refinanzieren und zur Energieversorgung beitragen. Eine normale Straße kostet Geld, eine Solarstaße verdient Geld.“

Wie das funktioniert, sollen erste Demonstrationsflächen zeigen, die für das Frühjahr unter anderem auf dem EUREF-Campus in Berlin geplant sind. 2019 könnte der stromerzeugende Straßenbelag dann Marktreife erlangen.

City Accelerator Bremen – Sprungbrett für Smart City-Start-ups

City Accelerator Bremen

© kraftwerk

“Bremen ist ja nicht gerade der Nabel der Start-up-Szene.” Dennoch – oder gerade deshalb – ist es swb (vormals Stadtwerke Bremen) mit der Initiative „kraftwerk – city accelerator bremen“ gelungen, dass sich bislang 180 Start-ups vorwiegend aus dem Ausland für eine Förderung in der Hansestadt beworben haben. „Mit dem Accelerator-Programm wollen wir engagierte Start-ups mit Geschäftsideen rund um die Stadt von morgen fördern“, erläutert der swb-Vorstandsvorsitzende Dr. Torsten Köhne. Neun Start-ups aus den ersten beiden Runden wurden bereits gefördert, im November pitchen 55 Bewerber um die Plätze ab Januar 2018. Der Fokus auf die Infrastruktur moderner Städte kommt nicht von ungefähr: Der Versorger steht wie viele Unternehmen der Kommunalwirtschaft vor der Herausforderung, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Start-ups bekommen von uns finanzielle und inhaltliche Unterstützung über die gesamte Laufzeit des Programms. Dafür erhält swb einen Anteil von 10 Prozent an der Geschäftsidee oder am Unternehmen.“

Das kraftwerk-Accelerator-Programm hat eine Laufzeit von 14 Monaten, unterteilt in drei Phasen: In den ersten sechs Monaten geht es um die Weiterentwicklung der Geschäftsidee. Darauf folgt eine viermonatige Gründungsphase, in der auch am Aufbau kaufmännischer Kompetenzen gearbeitet wird. In den letzten vier Monaten liegen die Schwerpunkte in der Marktentwicklung, dem Markteintritt sowie dem Aufbau von Vertriebsgrundlagen und -aktivitäten. Partner im Förderprogramm sind das Mercedes-Benz Werk Bremen und die EWE AG. „Damit decken wir die wichtigen Infrastrukturbereiche Mobilität und Energie gut ab.“

Neben der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle hält Köhne einen zweiten Aspekt für besonders wichtig: „Wir haben uns gefragt, wie wir die Zusammenarbeit mit jungen kreativen Start-ups nutzen können, um unsere eigene Unternehmenskultur zu verändern?“ Regelmäßig ruft swb zu sogenannte Sprintprojekten auf: „Dazu nehmen wir Mitarbeiter aus den verschiedenen Gesellschaften der swb-Gruppe aus ihrem aktuellen Aufgabenbereich heraus und lassen sie vier Wochen in den Räumlichkeiten des kraftwerk-Accelerators an bestimmten Problemstellungen arbeiten.“ Das Ergebnis: mehr Kreativität in kürzerer Zeit.

Der kraftwerk-Accelerator ist ein gutes Beispiel dafür, wie von der Förderung junger Start-ups durch etablierte Unternehmen beide Seiten profitieren: Die einen von finanzieller und fachlicher Hilfe, die anderen von frischen Ideen. Zwei so entstandene Geschäftsmodelle des city accelerator bremen werden bereits umgesetzt: Eine neue Technologie, die den Wirkungsgrad von Windenergieanlagen erweitern soll und ein Angebot zur Verbesserung der Ladesäuleninfrastruktur und -vernetzung.