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DIPAS - Digitales Partizipationssystem

Das digitale Partizipationssystem DIPAS

© BSW

Ziel/Nutzen der Lösung

Das digitale Partizipationssystem (DIPAS) verbindet das Hamburger Online-Beteiligungstool mit digitalen Planungstischen zu einem integrierten digitalen System zur Bürgerbeteiligung. Bürgerinnen und Bürger können von zu Hause aus, mobil oder in Veranstaltungen digitale Karten, Luftbilder, Pläne, 3D-Modelle und Geodaten abrufen und ein genau lokalisiertes Feedback zu Planungsvorhaben geben. Die digitalen Planungstische, auch Touchtables genannt, unterstützen auf Präsenzverstaltungen den Austausch zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Planungsverantwortlichen, da auf die gesamte städtische Geoinfrastruktur zugegriffen werden kann. Eingesetzt wird DIPAS in Hamburg überall dort, wo die Stadt mit ihren Bürgerinnen und Bürgern in den Austausch treten möchte. DIPAS ist eine Open Source Software und steht anderen Städten und Institutionen zur Nachnutzung zur Verfügung.

Lösungsbeschreibung

Die Software steht allen Dienststellen der Freie und Hansestadt Hamburg sowie ihren öffentlichen Unternehmen und Anstalten zur Nutzung zur Verfügung. Für die technische Einrichtung eines Beteiligungsverfahrens erhebt der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV) eine Gebühr. Beratung zum Einsatz und zur Konfiguration erhalten die Anwendenden von der Stadtwerkstatt im Rahmen ihrer Fachaufgaben.
Die Entwicklung des Systems wurde aus dem Hamburger IT Globalfonds und durch Eigenmittel der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) finanziert. An der Entwicklung beteiligt waren die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen als Federführer, der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung und das CityScienceLab der HafenCity Universität. Die Brutto-Gesamtkosten lagen bei rund 1,5 Millionen Euro.
DIPAS besteht aus zwei Komponenten, dem Online Beteiligungstool und den Touchtables für Präsenzveranstaltungen. Mit dem DIPAS Online-Beteiligungstool geben Bürgerinnen und Bürger über eine Internetseite georeferenzierte Vorschläge, Fragen und Kritik zu Entwicklungsvorhaben in der Stadt ab. Durch die zweite Komponente, den DIPAS-Touchtable für Präsenzveranstaltungen und die speziell für digitale Datentische entwickelten Anwendungen, wird das ganze Potenzial städtischer Geodaten, digitaler Modelle und Simulationen auch vor Ort nutzbar.
DIPAS ist eine webbasierte Anwendung und die Online-Komponente kann von Nutzenden über Smartphones, Desktops und Tablets aufgerufen werden. Die nutzbaren Funktionen der beiden Komponenten unterscheiden sich lediglich teilweise in ihrer Art der Darstellung und Bedienung auf dem jeweiligen Endgerät. Die Beitragseingabe erfolgt unabhängig von den Komponenten über die browserbasierte Beitragseingabemaske auf dem individuell genutzten Endgerät. Das Interface besteht aus einem Backend, das von den Projektverantwortlichen individuell mit Inhalten befüllt werden kann, und einem Frontend, das den Bürgerinnen und Bürgern vielfältige Interaktionsmöglichkeiten bietet.
DIPAS wurde während Hamburgs übergreifender Digitalisierungsoffensive "Digital First" im Jahr 2017 gestartet. Es fand eine dreiteilige Produktentwicklung statt. In der ersten Phase bis Juni 2018 wurde die DIPAS Basisstufe entwickelt und die generelle Durchführbarkeit des Konzeptes gezeigt. In den weiteren Phasen wurde DIPAS in zwei Upgrades um neue Komponenten erweitert. Währenddessen wurde es in mehreren Bürgerbeteiligungsverfahren eingesetzt und getestet.
Das System wurde schrittweise und mit mehreren Erprobungsschleifen in realen Beteiligungsverfahren entwickelt und projektbegleitend von der HafenCity Universität Hamburg (HCU) evaluiert. Am 18. und 19. Februar 2021 hat die erste DIPAS Online-Konferenz stattgefunden. Interessierte Menschen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis wurden eingeladen, um die Projektergebnisse und Erfahrungen aus dem Projekt kennenzulernen sowie perspektivische Entwicklungsmöglichkeiten zu diskutieren. DIPAS wurde unter anderem bei einem Leitbildverfahren im Bezirk Bergedorf, im Harburger CLEVER Projekt, beim internationalen Bauforum 2019 und bei den Grasbrook-Werkstätten 2018/19 erprobt.
Die geodatenbasierte Anwendung ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern über das Internet Hinweise, Vorschläge, Fragen und Kritik zu Planungen in der Stadt abzugeben. Diese Anmerkungen können medienbruchsfrei mit den Touchtables in Präsenzveranstaltungen kombiniert werden. Dieses digitale System zur Bürgerbeteiligung fördert und unterstützt den Austausch zwischen Expertinnen, Experten und Laien von datengestützten Stadtmodellen. Mit DIPAS können sich sowohl Bürgerinnen und Bürger auf Präsenzveranstaltungen, als auch diejenigen, die nicht an öffentlichen Planungsveranstaltungen teilnehmen, bequem von zuhause in den Dialog einbringen.
DIPAS verbessert das räumliche Verständnis von Bürgerinnen und Bürger für die Stadtplanungsvorhaben, indem beispielsweise ein geplantes Gebäude visuell in die 3D-Stadtkarte eingezeichnet werden kann. So werden Abstände zu anderen Gebäuden ersichtlich. Auch die Größe und Lage des Schattenwurfs des geplanten Gebäudes lässt sich zu verschiedenen Jahres- und Uhrzeiten anzeigen. DIPAS verbessert somit die Entscheidungsgrundlage für zukünftige Stadtplanungsvorhaben.
Teilnehmende Bürger und Bürgerinnen müssen sich für die Beteiligung mit DIPAS nicht anmelden und es werden keine personenbezogenen Daten erhoben und verarbeitet. Das folgt nicht nur dem Prinzip der Datensparsamkeit, sondern senkt auch die Teilnahmehürden.

Kommunen

Das Projekt wird in folgenden Kommunen umgesetzt:

Hamburg, Hamburg

über 500.000 Einwohner

Stadt

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Das entwickelte System ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern, sich jederzeit in den Dialog zu Planungsvorhaben der Stadt Hamburg einbringen zu können. Das trägt dazu bei, Barrieren wie Zeitknappheit, Mobilitätseinschränkungen oder Hürden bei der Sprach- und Ausdrucksfähigkeit, die Menschen von dem Ausdruck ihrer Belange bei Präsenzveranstaltungen abhalten können, zu überwinden. Bis zum Sommer 2021 sind verfahrensübergreifend über 17.000 Beiträge mit Ideen, Wünsche, Kritik und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen.

DIPAS ist eine Open Source Software und wurde im Februar 2021 unter GNU General Public Licence (GPL) auf www.dipas.org für andere Städte, Institutionen und Forschungseinrichtungen zur Nachnutzung und Weiterentwicklung veröffentlicht. Das entwickelte System ist themenoffen, das heißt, es kann für alle Arten der Standort- und Raumplanung, wie zum Beispiel Hochbauvorhaben, Infrastrukturprojekte, Grün- und Freiraumplanungen oder Entwicklungskonzepte, genutzt werden. Auf der Projektseite werden Präsentationen sowie Datenblätter veröffentlicht und das Handbuch (Wiki) bietet Informationen zu dem Betrieb und der Nachnutzung des Systems.

Die Städte Hamburg, Leipzig und München starteten 2021 gemeinsam das Projekt Connected Urban Twins - Urbane Datenplattformen und Digitale Zwillinge für integrierte Stadtentwicklung (CUT) im Förderaufruf zu Smart-City-Modellprojekten des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI). In dem CUT-Projekt werden die Partnerstädte unter anderem das DIPAS-System erproben und haben dafür zunächst DIPAS im Frühjahr 2022 für das Projekt Matthäikirchhof eingesetzt. Die Erfahrungen aus den Pilotierungen werden in die weitere Entwicklung von DIPAS einfließen und so zu der Transferierbarkeit des Systems beitragen.

Beteiligte Partner*innen