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Leezenflow - Grüne-Welle-Assistent für Radfahrende

Prototyp Leezenflow an der Promenade

© Leonie Winkelmann & Magdalena Schmitz

Ziel/Nutzen der Lösung

Rund 150 Meter vor der Ampel wird den Radfahrenden über die digitale Anzeigetafel Leezenflow angezeigt, wie lange die Grün- oder Rotphase noch andauert. Dies ermöglicht den Radfahrenden, ihre Fahrtgeschwindigkeit entsprechend anzupassen und fördert folglich einen besseren Verkehrsfluss. Das Projekt erhöht somit die Attraktivität des Fahrradfahrens und setzt Anreize, um häufiger das Fahrrad anstelle des Autos als Verkehrsmittel zu wählen. Mithilfe des Projekts wird somit die klimafreundliche Mobilität mit dem Fahrrad unterstützt. Zudem sorgt der Grüne-Welle-Assistent Leezenflow für eine höhere Verkehrssicherheit und für mehr Komfort mit Münsters wichtigstem Verkehrsmittel - der Leeze.

Lösungsbeschreibung

Die bisher anfallenden Projektkosten belaufen sich auf rund 40.000 Euro. Diese Kosten beinhalten sowohl die Entwicklungskosten des Prototyps als auch die anfallenden Personalkosten für die Anbringung der digitalen Anzeigetafel. Über das Förderprogramm Nahmobilität 2021 fördert das Land Nordrhein-Westfalen das Projekt mit rund 28.000 Euro.
Die Kosten für die Programmierung und Anbringung einer digitalen Anzeigetafel belaufen sich auf rund 3.000 - 5.000 Euro. Insbesondere die Kosten für die Anbringung der digitalen Anzeigetafeln schwanken. Besteht bereits eine Strom- und Datenverbindung, ist die Anbringung der digitalen Anzeigetafeln deutlich günstiger, als wenn dies noch nicht der Fall ist. Die Umprogrammierung der Ampelanlagen kostet pro Ampel rund 10.000 Euro.
Die digitale Anzeigetafel Leezenflow ist mit LED-Modulen ausgestattet und wetterbeständig. Sie ist rund 150 Meter vor der Ampelanlage installiert. Anhand des Farbverlaufs auf der digitalen Anzeigetafel Leezenflow wird den Radfahrenden angezeigt, wie lange die jeweilige Ampelphase noch andauert. Radfahrende haben dadurch die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie langsamer, gleichbleibend oder schneller fahren, um die Ampel noch bei Grün zu erreichen.
Die Anzeigetafeln sind mit der jeweiligen Fahrradampel durch die Bike-To-X-Kommunikation verbunden und ändern den Farbverlauf je nach Ampelzustand dynamisch. Über die sogenannte Bike-to-X-Kommunikation (die in anderen Zusammenhängen auch als Car-to-X-Kommunikation bekannt ist) wird der Austausch zwischen der digitalen Anzeigetafel Leezenflow und der Ampelanlage in Echtzeit ermöglicht. Zum Einsatz kommt der internationale OCITv3-Standard. Leezenflow wird als Open-Source-Software entwickelt. Verwendet werden der Kleinstcomputer Raspberry Pi und das Betriebssystem Linux. So wird eine maximale technische Kompatibilität erreicht. Es wird ermöglicht, die digitale Anzeigetafel Leezenflow nachzubauen, zu erweitern sowie offene Schnittstellen zu bestehenden Systemen zu nutzen. Der Ausbau der Ampeltechnik schafft zudem die digitale Infrastruktur für weitere Smart-City-Anwendungen, wie beispielsweise der Nutzung der Grüne-Welle-App. Die Grüne-Welle-App ermöglicht die bedarfsgerechte Anpassung der Ampelschaltung. Nähern sich Radfahrende einer Ampel, schaltet diese automatisch auf Grün oder verlängert die bestehende Grünphase.
Die Idee des Projekts entstand 2019 im Rahmen des Münsterhacks. Die Stadt Münster hat die Idee aufgenommen und weiterentwickelt. Insbesondere die Stabsstelle Smart City Münster und das Amt für Mobilität für Tiefbauamt (Fachstelle Verkehrsmanagement und Smart Mobility) sind in das Projekt eingebunden. Die Mitglieder des Hackathon-Teams haben anschließend zusammen mit der Stadt Münster die Idee weiterentwickelt.
Nach dem Publikumspreis für das Team Grüne-Welle auf dem Münsterhack 2019 hat die Stabsstelle Smart City die Idee aufgriffen und das Projekt Leezenflow als kollaborativen, offenen (Stadt)-Entwicklungsprozess gestartet: Die Open-Source-Programmierung der Anzeige übernehmen bCyber UG und Code for Münster. Das Design der digitalen Anzeige entwarfen zwei Studentinnen der Fachhochschule Münster im Rahmen ihrer Bachelorarbeit. Zunächst wird das Projekt an der Kreuzung Hörstertor auf der beliebten Fahrradstraße, der Promenade, getestet. Gleichzeitig startet auch die wissenschaftliche Evaluation des Projekts. Mit der Evaluation wird u. a. festgestellt, ob und inwiefern das Projekt den Radverkehrsfluss und die Verkehrssicherheit verbessert. Zudem wird erfasst, ob die Münsteraner Radfahrenden mit der digitalen Anzeige Leezenflow zufrieden sind. Die Evaluation des Projekts übernimmt das Institut der Verkehrswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Auf Basis der Evaluation werden die Ergebnisse ausgewertet und in einem Bericht dokumentiert. Anschließend wird über weitere Nutzungen und Verbesserungen der digitalen Anzeigetafeln entschieden. Bei erfolgreicher Testphase ist eine mögliche Ausweitung des Angebots auf die gesamte Promenade denkbar.
Das Ziel des Pilotprojekts ist es, das Radfahren komfortabler und schneller zu gestalten. Zudem wird erwartet, dass die Radfahrenden durch das Projekt weniger Rotlichtverstöße begehen und somit mögliche Unfälle verhindert werden.
Um die Akzeptanz der Radfahrenden gegenüber der digitalen Anzeigetafeln Leezenflow zu ermitteln, wird eine Online-Umfrage gemeinsam mit dem Institut für Verkehrswissenschaften der Westfälischen Wilhelms Universität Münster durchgeführt. Mithilfe der Evaluation wird zudem festgestellt, ob und inwiefern das Projekt den Radverkehrsfluss und die Verkehrssicherheit verbessert. Aufgrund der Corona-Situation im Jahr 2021 findet die Umfrage online statt. Schilder mit QR-Codes, über welche die Umfrageseite abrufbar ist, werden an der Promenade in Münster aufgestellt. Die Umfrage wird zusätzlich mithilfe diverser Medien beworben.

Kommunen

Das Projekt wird in folgenden Kommunen umgesetzt:

Münster, Nordrhein-Westfalen

100.000 bis 500.000 Einwohner

Stadt

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Das Pilotprojekt steigert die Attraktivität des Fahrrads als Verkehrsmittel, indem die Radfahrenden die Möglichkeit erhalten, die grüne Welle genau abzupassen. Die Stadt Münster unterstützt mit dem Projekt folglich die klimafreundliche Mobilität mit dem Fahrrad.

Die Stadt Münster verfolgt mit dem Projekt das Ziel einer klimaneutralen Kommune und leistet einen Beitrag zur Erreichung der Klima- und Umweltschutzziele. Die digitale Anzeigetafel Leezenflow fördert zudem einen fließenden Radverkehr und trägt zur Verkehrssicherheit bei, sodass mehr Menschen das Fahrrad als effizientes, klimaneutrales und gesundes innerstädtisches Verkehrsmittel nutzen.

Der Bauplan der digitalen Anzeigetafel Leezenflow wird als Open-Source-Quelltext zeitnah auf der Projekthomepage veröffentlicht: smartcity.ms/leezenflow. So ist es allen Interessierten möglich, das Projekt nachzubauen und auf die eigenen Bedarfe anzupassen. Weiterentwicklungen am Quellcode kommen allen Interessierten zugute. Für die Ausweitung des Projekts setzt die Stadt Münster auf die weltweite Gemeinschaft der Tech-Community.

Die Dokumentation und Evaluation des Projekts wird ebenfalls veröffentlicht. Die für Leezenflow nötige Bike-To-X-Kommunikation wird bereits in vielen Städten unter dem Schlagwort Car-To-X-Kommunikation etabliert. Die (inter-)nationalen Standards ermöglichen eine maximale Kompatibilität mit der digitalen Anzeigetafel Leezenflow.

Beteiligte Partner*innen

Weiterführende Informationen