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Silberdraht – Analoge Plattform für Digitale Teilhabe im Alter

Silberdraht

© Access All Areas STND UG

Ziel/Nutzen der Lösung

Der Telefondienst Silberdraht ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern ohne Internetanschluss einen barrierefreien Zugang zu audiobasierten digitalen Inhalten. Das Ziel ist es, die Lücke zwischen der analogen und digitalen Welt zu schließen und Seniorinnen und Senioren den Zugang zu Informationen und Angeboten der Stadt aus dem Internet über den Telefonweg zu bieten. Über ein eingesprochenes Menü wählen Anrufende zwischen verschiedene Punkte aus und rufen so Webseiteninhalte ab. Der Heidelberger Silberdraht wird einen Wegweiser für Ältere mit allen Angeboten der Stadt für die Generation 65+ darstellen.

Lösungsbeschreibung

Das Projekt Silberdraht wurde im Umsetzungsprogramm des #wirvsvirus Hackathons mit einem Stipendium für eine dreimonatige Projektleiterstelle gefördert. Diese Förderung hat die Weiterentwicklung des Projektes ermöglich, sodass aus dem anfänglich minimal funktionsfähigen Produkt (Minimum Viable Product) ein skalierfähiges und marktfertiges Produkt entstehen konnte. Durch einen Lean-Management-Ansatz (u. a. die Nutzung eigener Expertisen und Ressourcen des Gründerteams) konnte die Unternehmung so aufgebaut werden, dass die betriebswirtschaftlichen Aufwände und monatlichen Fixkosten sehr gering sind.
Die Kosten für Kommunen setzen sich aus einer einmaligen Einrichtungsgebühr im 3-4-stelligen Bereich und einer monatlichen Gebühr im 2-3-stelligen Bereich zusammen. Die genaue Höhe der Kosten richtet sich nach der Einwohnerzahl der Kommune sowie dem Aufwand und der Größe der über den Silberdraht geteilten Inhalte. In den Kosten enthalten sind die Begrüßung von Anrufenden mit einer menschlichen Stimme, die Hinterlegung der Menüpunkte, ein monatliches Update der Inhalte sowie Statistiken über die genutzten Inhalte.
Die Stadt bekommt oder stellt eine lokale Telefonnummer, über die die Telefonhotline angeboten wird. Eine menschliche Stimme begrüßt zunächst Anrufende. Daraufhin wählen diese aus einem Hauptmenü zwischen verschiedenen Themen und hören sich schließlich über ein Untermenü bestimmte Angebote an. Die Erstellung der Inhalte findet auf einem hohen Automatisierungsgrad statt. Außerdem wurde eine Schnittstelle zur Bereitstellung der Inhalte entwickelt, über die Kommunen Inhalte des Silberdrahtes unkompliziert einstellen können. In dem Kundenzugang werden Inhalte als wav oder mp3 Datei hochgeladen und der entsprechenden Ebene des Menüs zugeordnet.
Die Lösung einer analogen Schnittstelle zum Abrufen digitaler Inhalte ist eine Innovation des Projektes Silberdraht. Der Prozess des automatisierten Abrufens digitaler Inhalte, die Übertragung auf eine analoge Audiospur sowie die Ausgabe über eine per Telefon angewählte Schnittstelle ist eigene Programmierleistung, die sich bereits bestehender Prozesse und Lösungen bedient und diese kombiniert. Das Abrufen digitaler Inhalte umfasst u. a. die Einbindung von öffentlichen RSS-Feeds, Podcasts und Nachrichten sowie die allgemeine Nutzung frei verfügbarer Inhalte, die unverändert oder in aufbereiteter Form (z. B. Bereitstellung aktueller und regionaler Corona-Fallzahlen) wiedergeben werden können. Durch eigens programmierte Prozesse werden regelmäßig die aktuellsten Inhalte gefunden und abgerufen. Die Übertragung auf eine analoge Audiospur bedarf einer Anpassung (z. B. Konvertierung in ein anderes Format oder Komprimierung der Datei). Die Ausgabe über eine per Telefon angewählte Schnittstelle bedarf einer programmierten Plattform, die die Anfragen von Anrufenden mit dem digitalen Auswahlmenü verknüpft und über die Telefontastatur anwählbar macht. Die Inhalte werden dann per Vorleseautomatik (Text-to-Speech) vorgelesen. Diese verwandelt den Webseitentext automatisch in eine akustische Sprachausgabe.
Das Projekt Silberdraht ist während des #wirvsvirus Hackathons im März 2020 entstanden und wird ehrenamtlich ausgeführt. Das allgemeine kommunenunabhängige Angebot ist am 19. Juni 2020 gestartet und der Heidelberger Silberdraht ist seit dem 19. Mai 2021 für alle Heidelbergerinnen und Heidelberger erreichbar.
In der Planung des Heidelberger Silberdrahtes hat die Stadt zunächst die Inhalte und Menüpunkte, die über den Silberdraht den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stehen, festgelegt. Die Stadt Heidelberg hat den Schwerpunkt auf einen Wegweiser mit allen Angeboten für Menschen im Alter von 65+ gelegt. Im nächsten Schritt werden die Inhalte für den Silberdraht erstellt. Dabei ist es angestrebt, den Automatisierungsgrad so hoch wie möglich zu halten, um den Aufwand zu reduzieren. Nach dem Start des Angebots steht der Stadt eine Webseite zur Datenpflege zur Verfügung, durch die das Angebot regelmäßig aktualisiert und erweitert werden kann.
Silberdraht steht für digitale Selbstbestimmung und Informationsfreiheit. Über das bekannte Medium Telefon integriert Silberdraht die analoge Generation 65+ in die digitale Welt und wirkt so nicht nur Informationsungleichheit, sondern auch sozialer Ausgrenzung und Vereinsamung entgegen. Silberdraht entlastet die Bürgertelefone und hilft dort zu informieren, wo digitale Angebote nicht hinkommen.
Durch den Silberdraht erhält die Generation 65+ einen unkomplizierten Zugang zu zielgruppenrelevanten und lokalen Informationen. Die Ansagen sind einfach verständlich und ohne Anglizismen, sodass der Service für jeden zugänglich ist. Die Stadt bekommt mit dem Silberdraht ein zusätzliches Medium neben dem Internet, um Bürgerinnen und Bürger direkt zu erreichen und Informationen über Angebote sowie aktuelle Nachrichten und Inhalte zu verbreiten.
Die Telefonhotline ist DSGVO konform und es werden keine Daten gespeichert, die auf die Nutzenden zurückverfolgbar sind. Allgemeine Auswertungen umfassen den Zeitpunkt von Anrufen und welche Inhalte in einem gewissen Zeitraum abgerufen wurden.

Kommunen

Das Projekt wird in folgenden Kommunen umgesetzt:

Heidelberg, Baden-Württemberg

100.000 bis 500.000 Einwohner

Stadt

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Insbesondere durch die Corona-Pandemie, aber auch darüber hinaus droht vielen älteren Menschen eine soziale Ausgrenzung und Vereinsamung. Mit dem Silberdraht bietet die Stadt diesen Bürgerinnen und Bürgern einen kostenlosen Informations- und Unterhaltungsdienst, durch welchen sie auch ohne Internetanschluss oder die notwendigen digitalen Fertigkeiten an den Angeboten der Stadt teilhaben. Die Stadt erlangt durch den Silberdraht die Möglichkeit, digitale Angebote mit einer durch das Internet schwer zu erreichende Zielgruppe zu teilen und Ältere niedrigschwellig mit Informationen zu Angeboten zu erreichen.

Silberdraht eignet sich für den Einsatz in allen Städten und Gemeinden, da die Inhalte individuell an die Gegebenheiten einzelner Kommunen anpassbar sind. So kann der Silberdraht beispielsweise als allgemeines Bürgertelefon fungieren oder den Fokus auf bestimmt Themen für Seniorinnen und Senioren wie Gesundheit oder Ehrenamt legen.

Beteiligte Partner*innen

Weiterführende Informationen