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WALKIE - Fußgängerfreundlichkeitsindex

Der Fußgängerfreundlichkeitsindex für die Wege in Freiburg im Breisgau

© Plan4Better

Ziel/Nutzen der Lösung

Der Walkability-Index, kurz WALKIE, bildet die Fußgängerfreundlichkeit von Straßen der Stadt Freiburg im Breisgau quantitativ ab. Die Skala reicht von 0 bis 100 und basiert auf zahlreichen Einzelindikatoren. Der Index erleichtert es städtischen Planerinnen und Planern, die Fußgängerfreundlichkeit bei Entscheidungen über die Verkehrsgestaltung und Infrastruktur einzubeziehen. Das Projekt aus dem MobiData BW Hackathon wurde in die Open-Source Software GOAT integriert und steht Interessierten damit Open Source zur Verfügung. Der entwickelte Index kann bei entsprechender Datenverfügbarkeit auf Städte weltweit übertragen werden.

Lösungsbeschreibung

Das Projekt WALKIE wurde als eines von sieben Projekten aus dem MobiData BW Hackathon für die Anschlussförderung durch das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg (VM BW) ausgewählt.
Der Test-Prototyp wurde während des MobiData BW Hackathons entwickelt. Der MobiData BW Hackathon wurde vom 27. November bis 29. November 2020 vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg (VM BW) zusammen mit der Stadt Freiburg im Breisgau und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH (NVBW) ausgerichtet. Die Weiterentwicklung des Prototyps wurde unter dem Akronym WALKIE (WALKability IndEx) in einer Innovationsphase zwischen März und Juni 2021 mit rund 25.000 Euro durch das Land Baden-Württemberg gefördert.
Der Fußgängerfreundlichkeitsindex WALKIE wurde für die Stadt Freiburg im Breisgau in die Webanwendung GOAT eingebunden. GOAT stellt die Verfügbarkeit von Gehwegen dar, während WALKIE deren Attraktivität für Fußgängerinnen und Fußgänger abbildet.
Zuerst wurden Indikatoren für die Messung der Fußgängerfreundlichkeit auf wissenschaftlicher Basis entwickelt. Ein Algorithmus hat diese bewertet, gewichtet und zu dem Gesamt-Fußgängerfreundlichkeitsindex aggregiert. Mithilfe verschiedener Datenquellen wurden diese Indikatoren im nächsten Schritt für die Wege in Freiburg im Breisgau bestimmt. Einige Datensätze wurden durch Crowdsourcing erhoben, es wurden Open-Data-Plattformen von Stadt und Land (z. B. FreiGIS) genutzt und für die Stadt Freiburg im Breisgau wurden über 10.000 Bildaufnahmen des Straßenraums über die Plattform Mapillary erhoben. Daraus wurden dann Attribute der Straßen in Freiburg im Breisgau, wie zum Beispiel das Vorhandensein von Straßenlaternen und Parkbänken, herausgelesen. Mit der Mapillary-API erkannten KI-Algorithmen Objekte aus Bildsequenzen und lasen die Daten so aus. Neben dem Index zur Fußgängerfreundlichkeit wurden auch Fußgängerpotenzialströme für das Anwendungsbeispiel der Schulwege zu Grundschulen in Freiburg berechnet. Der Anteil an Kindern zwischen sechs und neun Jahren war bekannt und so wurde für jedes Wohnhaus abgeschätzt, wie viele Kinder dort wohnen. Im nächsten Schritt wurde von jedem Wohnhaus der kürzeste Weg zur jeweiligen Bezirksgrundschule berechnet. Die Summe der einzelnen Ströme ergibt den aggregierten Fußgängerpotenzialstrom eines Weges.
Das Projekt entstammt dem MobiData BW Hackathon aus dem November 2020, der die Entwicklung neuer Lösungsansätze für eine nachhaltige Mobilität zum Ziel hatte. WALKIE wurde als eines von sieben Projekten für die dreimonatige Innovationsphase (März-Juni 2021) ausgewählt. Das Projektteam hinter WALKIE hat sich in dem Start-up Plan4Better zusammengefunden. Die Plan4Better GmbH hat auch die Software GOAT zur Erreichbarkeitsplanung entwickelt, in die der Walkability-Index integriert wurde. Der Fußgängerfreundlichkeitsindex für die Pilotstadt Freiburg im Breisgau ist seit August 2021 verfügbar.
Im ersten Projektschritt wurden die Qualitätskriterien der Fußgängerfreundlichkeit von Gehwegen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ermittelt. Daraus resultieren die sechs Kategorien Gehkomfort, Schutz vor Straßenverkehr, Beleuchtung und subjektive Sicherheit, Belebtheit und Gehumgebung, Vegetation und Gewässer sowie urbane Ausstattung. Diese sechs Kategorien wurden wiederum in 22 Einzelindikatoren unterteilt. Aus unterschiedlichen Datenquellen wurden Informationen zu verschiedenen Attributen der Straßen genutzt und von einem Algorithmus bewertet. In dem Projekt wurde eng mit der Einheit DIGIT (Digitales und IT) der Stadt Freiburg im Breisgau zusammengearbeitet. Ihre Rückmeldungen wurden in den Entwicklungsprozess von WALKIE einbezogen. Außerdem wurden die städtischen Daten in eine auf Freiburg im Breisgau abgestimmte Version der Software GOAT eingebunden. In einem abschließenden Workshop haben die städtischen Planerinnen und Planer die Software GOAT mit dem neuen Fußgängerfreundlichkeitsindex getestet und positiv bewertet. Die Software wird von der Stadt Freiburg im Breisgau auch über das Pilotprojekt hinaus genutzt und durch die Plan4Better GmbH um weitere Funktionen erweitert.
Der entwickelte Walkability-Index ermittelt die Fußgängerfreundlichkeit für alle Straßen der Stadt Freiburg im Breisgau quantitativ. Das zeigt der Stadt, bei welchen Straßen das größte Verbesserungspotenzial herrscht.
Die errechneten Fußgängerpotenzialströme zeigen die Frequentierung der Wege an. Zusammen ergeben sich aus den errechneten Kennzahlen die Straßen mit dem größten Handlungsbedarf. So erleichtert WALKIE der Stadtverwaltung, den Fußverkehr attraktiv zu gestalten. Langfristig verbessert sich die Fußgängerfreundlichkeit im Stadtgebiet und die Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger.
Alle entwickelten Skripte stehen auf GitHub unter der GPL-3.0 Lizenz offen zur Verfügung. Der Fußgängerfreundlichkeitsindex basiert auf einer Vielzahl an bestehenden Daten. Die Richtigkeit der Informationen wird regelmäßig überprüft, jedoch kann keine Garantie hierüber gegeben werden.

Kommunen

Das Projekt wird in folgenden Kommunen umgesetzt:

Freiburg im Breisgau, Baden-Württemberg

100.000 bis 500.000 Einwohner

Stadt

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Mit dem Fußgängerfreundlichkeitsindex erhalten Stadt- und Verkehrsplanende ein Werkzeug, das die Wegabschnitte in der Stadt mit dem größten Handlungsbedarf und Verbesserungspotenzial für den Fußverkehr aufzeigt. So können die Bedingungen für den Fußverkehr gezielt verbessert und diese nachhaltige Mobilitätsform gefördert werden.

Neben dem Fußgängerfreundlichkeitsindex wurden für die Stadt Freiburg im Breisgau auch Fußgängerpotenzialströme berechnet. Das Anwendungsbeispiel der Stadt Freiburg im Breisgau wurden die Fußgängerpotenzialströme für die Schulwege zu Grundschulen berechnet und visualisiert, wie viele Kinder potenziell einen Weg gehen. Das Gegenüberstellen von Fußgängerfreundlichkeitsindex und Fußgängerpotenzialströmen zeigt die Wegabschnitte, die bei Planungsvorhaben priorisiert werden sollten. Das sind die Wegabschnitte, die oft benutzt werden und fußgängerunfreundlich sind. Im konkreten Beispiel in Freiburg im Breisgau fördert der Fußgängerfreundlichkeitsindex den Zugang zu Bildung für alle Schülerinnen und Schüler im Stadtgebiet. Außerdem unterstützt eine Verbesserung des Fußverkehrs allgemein eine gesunde Form der Mobilität und erhöht durch mehr Aktivität im Alltag die physische und psychische Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger.

Die Ergebnisse aus dem Projekt WALKIE werden in die Version der Open-Source-Software für die Stadt Freiburg im Breisgau aufgenommen und stehen den lokalen Planerinnen und Planern somit zur Verfügung.

Der Fußgängerfreundlichkeitsindex basiert auf einer Vielzahl an Daten und kann sowohl auf die Anwendung GOAT und bei entsprechender Datenverfügbarkeit auf Städte weltweit übertragen werden.

Beteiligte Partner*innen

Weiterführende Informationen