Porträtbild von Kai Dase; Quelle: Kai Dase

© Kai Dase

Welche digitale Technik benutzen Sie heute schon im ambulanten Pflegedienst?

Unsere 120 pflegerischen Mitarbeiter haben alle mindestens einen MDA (Mobile Digital Assistant), auf dem Patientendaten erfasst werden. 70 Mitarbeiter sind mit Tablets ausgestattet. Diese werden für die gesamte Dokumentation beim Patienten genutzt. Außerdem kann digitale Technik im Wohnumfeld ein großes Maß an Sicherheit bieten. Sehr häufig passieren zum Beispiel Unfälle im Badezimmer. Dort können Bewegungsmelder installiert werden, die auch registrieren, wenn keine Bewegung stattfindet. Wenn also jemand stürzt, dann wird ein Alarm ausgelöst. Das ist leicht nachrüstbar und kann auch digital ausgestaltet werden. Kunden von uns haben die Möglichkeit, sich über ein Modul mit uns zu vernetzen und wir fahren dann zum Patienten und leisten Hilfe. 

Welche Vorteile bringt die digitale Technik in der Pflege?

Die Vorteile liegen momentan vor allem auf organisatorischer und administrativer Ebene. Und das ist wichtig, weil in der Pflege ja verschiedene Personen beteiligt sind. Beim Besuch eines Pflegepatienten werden jedes Mal unterschiedliche Daten abgerufen: für die grundsätzliche Dokumentation der gesundheitlichen Historie, für die Abrechnung mit dem Leistungsträger, für die Personalabrechnung und das Controlling. Die digitale Dokumentation erleichtert diese Datenerfassung und -zusammenführung erheblich. Dem Pflegepersonal stehen damit zu jedem Zeitpunkt der Versorgung alle Informationen zur Verfügung, zum Beispiel eine Schweigepflichtentbindung. Gesundheitsdaten werden leichter und für alle jederzeit verfügbar dokumentiert, beispielsweise, wie sich der Blutdruck in der vergangenen Woche entwickelt hat. 

Wie reagieren die Pflegepersonen darauf?

Das kommt ganz darauf an, wie die Technik genutzt wird. Solange sie ein Hilfsmittel ist und der Pfleger persönlich auf den Menschen fokussiert bleibt, ist das Verständnis sehr groß. Am besten erfolgt die Datenerfassung gemeinsam mit dem Patienten und das Pflegepersonal klärt darüber auf, welche Daten erfasst werden – ,Ich habe jetzt den Blutzuckerwert gemessen, ich trage den jetzt in unser System ein, damit die Kollegin, die morgen kommt auch einen Überblick darüber hat.’ Da ist der Nutzen im Vordergrund und der Patient versteht auch diesen Nutzen. 

Wie wird sich der ambulante Pflegedienst durch weitere Digitalisierung in der Zukunft verändern? Kommt der Pflegeroboter?

Der nächste Schritt wird sein, dass man die vorhandenen Instrumente nutzbringender einsetzt. Wenn Sie ein Handy mit GPS-System und Bewegungssensor bei sich tragen, ist es technisch relativ einfach festzustellen, ob jemand gestürzt ist. Das kann von großem Nutzen sein. Mittlerweile gibt es auch Pflaster, die verschiedene Vitalwerte prüfen können, zum Beispiel Blutzucker oder Blutdruck. Das kann man gut vernetzen mit der Technik, die man bisher schon einsetzt. Wenn Sie solche Daten zusammenbringen, können Sie relativ gut sehen, ob jemand gesundheitlich in Gefahr ist oder nicht. 

Pflege impliziert für mich immer Dialog. Pflegeroboter kann ich mir flankierend gut vorstellen, für klar abgegrenzte Aktionsbereiche, aber sicher nicht als Pflegeersatz. Hilfreich wäre ein dialogfähiger Roboter, der einfache Befehle, wie ,Ich möchte gerne, dass meine Wohnung ein bisschen wärmer geheizt wird’, ausführen kann. 

Mal ganz persönlich – benutzen Sie privat Gesundheits-Apps?

Ich benutze Gesundheits- und Fitness-Apps beim Sporttreiben. Das hilft mir, meine Trainingserfolge abzubilden. Außerdem kann ich mit einem im Brustgurt integrierten Pulsmesser überprüfen, dass ich nicht über meine Leistungsfähigkeit hinausgehe und so im gesundheitlich effektiven Bereich trainiere.