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BlindFindIndoor-Navigationssystem für blinde und sehbehinderte Personen

BlindFind - Indoor-Navigationssystem für blinde und sehbehinderte Personen

© visorApps

Ziel/Nutzen der Lösung

Die Orientierung in Gebäuden ist für blinde und sehbehinderte Personen sehr schwierig. Die meisten vorhandenen Wegweiser in öffentlichen Gebäuden sind optisch und dadurch für sie nicht nutzbar. Auch das von Smartphones für die Navigation verwendete GPS funktioniert innerhalb von Gebäuden nicht. In dem Projekt BlindFind wurde ein barrierefreies Leitsystem entwickelt, welches blinde und sehbehinderte Menschen akustisch zu wichtigen Punkten wie Büros, Toiletten, Fahrstühlen oder Treppen leitet. Das Indoor-Navigationssystem ermöglicht Betroffenen eine selbstbestimmte Orientierung in Gebäuden.

Lösungsbeschreibung

Die Entwicklungen der visorBoxen und der BlindFind-App wurden vom Amt für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden gefördert. Die Kosten für eine visorBox betragen circa 200 Euro. Die visorBoxen funktionieren komplett modular, sodass es möglich ist, zunächst einmal eine nur begrenzte Anzahl zu erwerben, welche dann angepasst und erweitert wird. Der Betrieb und die Anwendung der dazugehörigen Apps sind kostenfrei.
Die Förderung durch das Amt für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden umfasste die Entwicklung der visorBoxen, die Entwicklung der BlindFind-App und die Beschaffung der visorBoxen für die ausgestatteten Gebäude in Dresden.
Das Indoor-Navigationssystem besteht aus zwei Komponenten, der BlindFind-App und den visorBoxen. Die visorBoxen werden an relevanten Orten im Gebäude angebracht, sind mit einem Lautsprecher ausgestattet und senden ein Bluetooth-Signal. Die BlindFind-App empfängt das Signal von naheliegenden visorBoxen und listet diese Orte auf. Die Nutzenden können sich nun über den Screenreader die Informationen anhören und ihr Ziel in der App auswählen. Daraufhin gibt die jeweilige visorBox per Lautsprecher eine zur Orientierung notwendige Information, z. B. "Fahrstuhl", aus.
Das System ist modular aufgebaut. Das bedeutet, dass es keine Mindestanzahl an visorBoxen für ein Gebäude gibt und es jederzeit möglich ist, weitere Orte mit zusätzlichen visorBoxen auszustatten. Da die visorBoxen batteriebetrieben sind, ist keine weitere Infrastruktur für den Betrieb notwendig und sie können überall angebracht werden. Aufgrund der begrenzten Reichweite der Bluetooth-Verbindung (circa 10 Meter) werden nur die visorBoxen, die in Hörweite sind, in der App angezeigt. Um die weitere Navigation im Gebäude zu ermöglichen, ist es besonders wichtig, Treppen und Fahrstühle mit den visorBoxen auszustatten. Außerdem können in der BlindFind-App noch weitere zusätzliche Informationen, beispielsweise Öffnungszeiten oder Navigationshinweise, hinterlegt werden. Für den Betrieb der visorBoxen wurde eine App entwickelt, über die der Betreibende die Audiodatei für die akustische Navigation aufspielen und die weiteren Informationen zu jedem Standort hinterlegen kann.
Das Projekt BlindFind stammt aus dem Innovationsförderprogramm der Stadt Dresden aus dem Jahr 2017. Das Start-up visorApps GmbH hat das System für den Einsatz in zwei Standorten in Dresden entwickelt. Zunächst wurde das Gebäude des sächsischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes mit 17 Boxen ausgestattet und im September 2019 wurden dann 21 visorBoxen im Dresdener Rathaus installiert. Im Mai 2021 sind bereits circa 70 visorBoxen im Dresdner Rathaus im Einsatz.
Für die Zukunft sind weitere Anpassungen des Systems denkbar. Zusätzlich zu den batteriebetriebenen visorBoxen werden auch Boxen mit Stromanschluss entwickelt. Außerdem sind größere visorBoxen, welche lautere Signale abspielen können, für Orte mit einer hohen Geräuschkulisse in Planung. Dadurch können in Zukunft auch beispielsweise Bahnhöfe mit dem System ausgestattet werden.
Sehende Menschen können sich innerhalb von Gebäuden mit Lageplänen oder Türschilder orientieren. Sehbehinderte Personen können diese Hilfsmittel hingegen nicht nutzen und sind daher meistens auf die Hilfe anderer angewiesen. Dieses Projekt hat zum Ziel, dass sich blinde und sehbehinderte Menschen eigenständig und selbstbestimmt in Gebäuden orientieren können.
Durch die direkte Kommunikation zwischen dem Endgerät des Nutzenden und den visorBoxen ist das entwickelte System sehr genau und nutzerfreundlich. Im Dresdener Rathaus wurden insbesondere der Eingangsbereich, Fahrstühle, Toiletten und Veranstaltungsorte wie der Rats- und der Festsaal mit visorBoxen ausgestattet. Das sind die Orte, die für Besucherinnen und Besucher besonders wichtig sind.
Die BlindFind-App speichert Inhaltsinformationen und Zeitstempel derjenigen visorBoxen, die beim Betrieb der App in Funkreichweite kommen. Dies dient zur schnelleren Anzeige dieser Informationen bei einem erneuten Kontakt und zur Minimierung der notwendigen Bluetooth-Verbindungen zwischen App und Box. Alle gespeicherten Daten verbleiben auf dem Endgerät.
Die visorBoxen selbst speichern bei einer Verbindung mit der BlindFind-App keine Daten zur Identität der betreffenden Geräte oder Anwendenden. Es wird lediglich gezählt, wie viele Verbindungen in einem bestimmten Zeitraum stattgefunden haben, um die allgemeine Nutzungshäufigkeit nachvollziehen zu können.

Kommunen

Das Projekt wird in folgenden Kommunen umgesetzt:

Dresden, Sachsen

über 500.000 Einwohner

Stadt

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Das Indoor-Navigationssystem ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen eine selbstbestimmte und unabhängige Orientierung in öffentlichen Gebäuden. Es ist eine Ergänzung zu der Beschilderung in den Gebäuden für sehende Personen und trägt so zu einer barrierefreieren Umgebung und Verwaltung bei.

Das entwickelte Indoor-Navigationssystem eignet sich grundsätzlich für alle öffentlichen Einrichtungen und Behörden mit Publikumsverkehr. Die Geräuschkulisse an den Orten darf allerdings nicht zu hoch sein, wie beispielsweise an Bahnhöfen, da die akustische Navigation dann nicht wahrgenommen werden kann. Andererseits ist das System auch nicht für Orte geeignet, an denen es besonders still ist, wie zum Beispiel Museen.

Für die Zukunft werden weitere visorBoxen entwickelt, die auch an Orten mit einer höheren Geräuschkulisse genutzt werden können.

Beteiligte Partner*innen

Weiterführende Informationen