Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (links) und Sebastian Bächer (rechts); Quelle: Bächer Bergmann GmbH

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Sebastian Bächer, Geschäftsführer der Tischlerei Bächer Bergmann.

© Bächer Bergmann GmbH

Ein Musterbeispiel für das Zusammenspiel zwischen Alt und Neu ist in Rhens im Mittelrheintal zu finden. Bereits seit weit über 200 Jahren arbeitet in dem Städtchen südlich von Koblenz der Malereibetrieb Alt und verschönert die Häuser seiner Kunden von innen und außen. Altbacken geht es in dem Unternehmen, heute geführt von dem jungen Maler- und Lackierermeister Sebastian Alt, aber keineswegs zu, im Gegenteil.

Mit der Firmenübernahme stand Alt vor der Frage, wie er den traditionellen Handwerksbetrieb fortführen und gleichzeitig mit einem innovativen Geschäftsmodell die Möglichkeiten der Zeit nutzen könnte. Die Lösung war eine Neugründung: Gemeinsam mit der Betriebswirtin Monja Weber hob Sebastian Alt das Start-up Kolorat aus der Taufe. 2015 starteten sie den ersten Online-Farbkonfigurator. Mit diesem bieten sie eine Auswahl von über 1.000 Farbtönen, aus denen Kunden am heimischen Computer ihre ganz persönliche Wunschfarbe mischen und liefern lassen können, als Wandfarbe, Außenfarbe oder Lack. Auch bietet Kolorat individuelle Farbberatungen und Anregungen für moderne Gestaltungsideen. „Wir hatten eine Start-up-Idee, die auf dem Wissens- und Erfahrungsschatz aus dem traditionellen Handwerk beruht“, erklärt Malermeister Alt, „den wir gerne mit unseren Kunden teilen.“ 

Junger Mann prüft Farbe; Quelle: Kolorat

© Kolorat

Bei der Ideenfindung und -umsetzung waren die jungen Gründer nicht auf sich allein gestellt: „Wir haben vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk unschätzbar wertvolle Unterstützung erhalten“, erinnert sich Monja Weber. „Es ist gut für kleinere und mittlere Betriebe, solch einen unabhängigen und kompetenten Partner an seiner Seite zu haben.“ 

Junge Frau und Mann im Farbbetrieb vor Regal; Quelle: Kolorat

© Kolorat

Gut zu Fuß in Franken 

Auf eine immerhin gut sechzig Jahre lange Firmengeschichte kann das Reha Team Bayreuth zurückblicken. Es ist weit über die Grenzen der Wagnerstadt Bayreuth hinaus tätig; über 160 Mitarbeiter sind in Orthopädiewerkstätten und Sanitätsfachgeschäften in ganz Ober- und Mittelfranken beschäftigt. Das alteingesessene Unternehmen stellt schwerpunktmäßig Prothesen, Orthesen und orthopädische Einlagen her. 

Orthopädiewerkstätte; Quelle: reha team Bayreuth

© reha team Bayreuth

„Unser Ziel ist es, in der Herstellung von orthopädischen Hilfsmitteln bisherige analoge Prozessschritte zu digitalisieren“, sagt Geschäftsführer Gernot Gebauer über die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft. „Bisher finden bei der Herstellung von orthopädischen Hilfsmitteln nur teildigitalisierte Prozesse statt, wenn überhaupt. Unser Ziel ist es, bei der Herstellung bestimmter Hilfsmittel einen Digitalisierungsgrad von hundert Prozent zu erreichen, vom Maßnehmen über die Herstellung bis hin zur Abgabe des fertigen Hilfsmittels.“ Das klassische Herstellungsverfahren ist sehr arbeits- und zeitaufwändig, die Abformung mittels Gipsbinden für den Patienten wenig angenehm. Die digitale Technik ermöglicht eine kontaktlose, präzise Abformung der Gliedmaße durch einen dreidimensionalen Scanner. Im Anschluss werden die Daten bearbeitet und auf eine moderne CNC-Fräsmaschine zur Herstellung des Hilfsmittels übertragen. Gebauer ist stolz auf die ehrgeizigen Pläne des Reha Teams Bayreuth: „In seiner Art und Weise und auch der Komplexität ist das Vorhaben in unserer Branche in Bayern einzigartig.“ Auch die Orthopädietechniker aus Franken fanden im Kompetenzzentrum Digitales Handwerk einen kompetenten und tatkräftigen Unterstützer. 

Tischler 4.0 in Köln 

Einen Schritt über die Digitalisierung von Fertigungsprozessen hinaus geht die Mannschaft der Kölner Tischlerei Bächer Bergmann. „Handwerk wird bei uns durch Digitalisierung attraktiv,“ sagt Sebastian Bächer, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens. Sein Team baut auf die Kombination von klassischer Handwerkskompetenz und modernster Technik und setzt gleichzeitig neben Hobel und Stechbeitel auch 3D-Drucker, CAM-Programme, 5-Achs-Fräsen und einen riesigen 7-Achs-Roboterarm ein. Bächer stellt fest: „Wir verwirklichen Designideen mit handwerklichem Können und vernetzten Maschinen.“ 

Team der Kölner Tischlerei Bächer Bergmann; Quelle: Bächer Bergmann GmbH

© Bächer Bergmann GmbH

Auf dem Weg in die digitale Zukunft des Tischlerhandwerks denkt man in Köln groß: Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk entwickelt Bächer Bergmann ein Konzept, um ein breites Bildungsnetzwerk auf die Beine zu stellen. Ziel ist es, das duale Ausbildungssystem mit den Partnern in Unternehmen, Kammern und Berufsschulen weiterzuentwickeln. 2017 wird in Köln erstmals die „Digitale Woche – Tischler 4.0“ stattfinden. In dieser werden digitale Lehrinhalte für den Berufsschulunterricht aufbereitet und in einem Praxislehrgang an modernen digitalen Fertigungsmaschinen erprobt. 

Drohnen und Digitalakten 

Der digitalen Assistenz für das Bauhandwerk widmet sich der Zimmermeister und Gebäudeenergieberater Jonas Rosenow aus Friedrichshafen am Bodensee. Mit seinem Softwarekonzept „TR-App“ hat er ein Tool für Planung, Umsetzung und Projektmanagement in Bauprozessen entworfen. Die digitale Baustellenakte verbindet Bauherr, Architekt und beteiligte Bauhandwerker. Planungen, Bestellungen sowie Projektsachstände und -fortschritte sind transparent für alle in Echtzeit verfügbar, alle relevanten Unterlagen sind greifbar und können nach Abschluss der Arbeiten digital abgelegt werden. Für seine Idee der TR-App erhielt Rosenow in diesem Jahr den ersten Preis im Wettbewerb „Auf IT gebaut“, der unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie steht. Es war nicht sein erster Erfolg in diesem Innovationswettstreit: Im vergangenen Jahr belegte er mit einem Projekt zum Einsatz von Drohnen bei Bauaufnahmen den dritten Rang. Jonas Rosenow gefällt „Auf IT gebaut“ nicht nur wegen seiner eigenen Erfolge: „Der Wettbewerb ist eine tolle Sache. Er gibt jungen und innovativen Menschen den Impuls, ihre Ideen niederzuschreiben, zu konkretisieren und mit anderen zur Fortentwicklung zu teilen.“ 

Tool für Planung, Umsetzung und Projektmanagement in Bauprozessen; Quelle: Jonas Rosenow

© Jonas Rosenow