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Smart Village St. Wendeler Land - Digitale Nahversorgung für den ländlichen Raum

Anlieferung bestellter Ware

© Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH

Ziel/Nutzen der Lösung

Das Projekt Smart Village bietet eine zukunftsorientierte Daseinsvorsorge für den ländlichen Raum und verbindet dies mit der Wiederbelebung des sozialen Dorflebens. Die Online-Plattform mit Artikeln des alltäglichen Bedarfs, Lebensmitteln sowie Dienstleistungen schließt die Versorgungslücke, die sich durch die Aufgabe der letzten Versorgungspunkte in den ländlichen Gebieten von St. Wendel ergeben hat. Sie integriert lokale Anbieter und verbindet die wöchentliche Warenauslieferung mit einem "Kaffeeklatsch" (sozialer Austausch und Kommunikation) im Dorfgemeinschaftshaus.

Lösungsbeschreibung

Die drei Verbundpartner erarbeiten ein Geschäftsmodell damit eine Überführung des Projektes in eine Verstetigung nach Abschluss des Förderzeitraums gelingen kann. Alle Beteiligten sind sich dabei einig, dass in einer strukturschwachen ländlichen Region der Markt die vorhandene Wirtschaftlichkeitslücke nicht schließen wird. Daher müssen im Rahmen der Daseinsvorsorge (Grundversorgung mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs) weitere (innovative) Lösungen gefunden werden.
Die Fördersumme für die erste Testphase von Mai 2018 bis Juni 2019, in der die Online-Plattform aufgebaut wurde, belief sich auf 150.060,94 Euro (Modellvorhaben Land(auf)Schwung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)). In der zweiten Testphase (Aufbau der Fulfillment-Lösung und des Verteil-Zentrums) gab es zuschussfähige Ausgaben in Höhe von 82.400 Euro, davon LEADER-Mittel in Höhe von 65.900,00 Euro (80 Prozent) (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER-LEADER)). Die dritte Phase (Mitte März 2020 bis Juni 2021) weitete das Projekt auf weitere Faktoren der ländlichen Grundversorgung aus und erhielt dafür Zuwendungen aus Mitteln des Saarlandes und des Bundes (Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)) in Kombination mit dem Sonderförderprogramm „Ländliche Entwicklung“ (FRL-SRPLE). Die zuwendungsfähigen Ausgaben betrugen 321.981,43 Euro, wovon 78.539,17 Euro auf das Land und 117.808,76 Euro auf den Bund fielen. Die Bedarfszuweisung des Ministeriums für Inneres, Bauen und Sport Land Saarland (MfIBS) betrug 64.320,36 Euro und es wurden 61.313,14 Euro Eigenmittel investiert. Die vierte Förderphase ist am 01.07.2021 gestartet und dauert bis zum 31.12.2023. Die Zuwendung erfolgt aus Mitteln der Förderinitiative „Aktive Regionalentwicklung“ des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Die zuwendungsfähige Ausgaben sind auf 700.000 Euro im Rahmen eines Verbundprojektes festgesetzt. Verbundpartner sind der Landkreis St. Wendel, Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH und der technische Dienstleister SinkaCom AG.
Die technische Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Online-Plattform KeepFresh. Diese wird gehostet von dem technische Dienstleister SinkaCom AG aus Frankfurt.
Sowohl interessierte Anbieter (Händler, Erzeuger, Produzenten) als auch potenzielle Kundinnen und Kunden (Dörfer im Allgemeinen sowie Privatpersonen) melden sich bei einem der drei Verbundpartner. Die Anfrage wird bewertet und der Kooperations-Prozess wird in Absprache mit den Verbundpartnern umgesetzt. Die privaten Kundinnen und Kunden haben die Möglichkeit, die Lieferungen per Lastschrift, per Kreditkarte oder bei der Warenübergabe, beziehungsweise der Dienstleistungsdurchführung in bar zu zahlen. Während der Förderphasen zahlen die Händler keine Nutzungsgebühren. Ebenso zahlen die Kundinnen und Kunden keine Liefergebühren. Diese werden aus den Fördermitteln gedeckt.
Nachdem 2015 der letzte Laden für den alltäglichen Bedarf in Remmesweiler (Ortsteil von St. Wendel) geschlossen hatte, wuchs die Einsicht unter lokalen Akteuren, dass die entstandene Versorgungslücke wieder geschlossen werden musste. Durch das Modellvorhaben Land(auf)Schwung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) konnte ab 2018 die Idee des regionalen Online-Handels in die Pilotierung gehen.
Es begann mit einem Treffen von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Ehrenamt am 31. Juli 2017. Sie entwickelten gemeinsam das in Deutschland einzigartige Projekt „Smart Village Remmesweiler“. Nach der erfolgreichen Bewerbung auf die Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) begann im Mai 2018 die erste Testphase. Hier wurde bis Ende Juni 2019 die Online-Plattform aufgebaut, lokale Händler sowie Kundinnen und Kunden angesprochen, die Logistik und die Auslieferung erprobt sowie ehrenamtliche Dorfcoaches angeworben (lokale Kümmerer, die die sozialen Aspekte des Projektes umsetzen). Gemeinsam wurde das Logistik- und Lieferketten-Konzept erarbeitet und auch der gemeinsame "Kaffeeklatsch" (Austausch bei Kaffee und Kuchen) mit der Dorfgemeinschaft am Tag der Warenauslieferung im jeweiligen Dorfgemeinschaftshaus etabliert. Nahtlos an diese erste Testphase schloss sich die zweite Testphase ab Juli 2019 an. In dieser Zeit wurde eine digitale Fulfillment-Lösung erarbeitet und ein stationäres Verteil-Zentrum eingerichtet. Diese Phase wurde durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER-LEADER) gefördert. Ab Mitte März 2020 (bis Juni 2021) folgte die dritte Testphase, die einen breiteren Ansatz wählte. Gefördert durch Mittel des Saarlandes und des Bundes (Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)) in Kombination mit dem Sonderförderprogramm „Ländliche Entwicklung“ (FRL-SRPLE) ging es hier um eine allgemeine Aufbesserung der Grundversorgung in ländlichen Gebieten am Beispiel des Landkreises St. Wendel. In diesem Rahmen haben sich weitere, wöchentliche Kaffeetreffs und Dorf-Frühstücke (Dörrenbach, Hoof, Leitersweiler) sowie der wöchentliche Treff der Musikwerkstatt in Steinberg-Deckenhardt etabliert. Seit dem 01.07.2021 ist das Projekt in seiner vierten Förderphase. Dabei geht es darum, dass die drei Verbundpartner das digitale St. Wendeler Nahversorgungs-Leuchtturmprojekt „Gut versorgt im St. Wendeler Land“ umsetzen. Das Leuchtturmprojekt umfasst vier Module: die Hand in Hand arbeitenden rechtssicheren Kooperations-Strukturen, die Inwertsetzung der digitalen Plattform als zukunftsorientierter Lösungsansatz, die Schaffung von rechtswirksamen Liefer-Logistik-Strukturen der digitalen Nahversorgung sowie die Schaffung von sozialen Kommunikationsknoten in den Dörfern. Der Dauerbetrieb wird ab dem 1. Januar 2024 angestrebt.
Smart Village - gut versorgt im St. Wendeler Land "...für eine lebens- und liebenswerte Heimat" gewährleistet die Nah- und Grundversorgung der Menschen auf dem Land. Durch ihren regionalen Bezug stärkt sie den Zusammenhalt und unterstützt lokale Anbieter. Gleichzeitig hat sie eine soziale Komponente: Mit dem "Kaffeeklatsch" beim Abholen der bestellten Waren, macht sie die Dorfgemeinschaftshäuser wieder zu einem Ort der Begegnung und des Austausches.
Der demographische, technologische und gesellschaftliche Wandel hat in vielen ländlichen Räumen Spuren der Abwanderung hinterlassen. Fehlt die Kundschaft, verschwinden auch Einkaufsmöglichkeiten und damit die für die Lebendigkeit einer Gemeinde so wichtigen Treffpunkte. Dies stellt insbesondere weniger mobile und ältere Menschen vor große Herausforderung bezüglich alltäglicher Bedürfnisse sowie des sozialen Miteinanders. Genau hier setzt Smart Village - gut versorgt im St. Wendeler Land an, indem es über die Online-Plattform Lebensmittel, Artikel des täglichen Bedarfs und Dienstleistungen aus der Umgebung zur Verfügung stellt. Gleichzeitig sorgt das Projekt dafür, dass die Einwohnerinnen und Einwohner wieder „maije, sprooche unn schwäddse“ (besprechen, plaudern und scherzen). Damit werden Dienstleistungen und Güter des täglichen Bedarfs wieder für alle zugänglich, unabhängig von Wohnort, Alter oder Mobilität und das Dorf wird neu belebt.
Smart Village - gut versorgt im St. Wendeler Land wird in der vierten Förderphase als Verbundprojekt mit drei Verbundpartnern umsetzen. Die drei Verbundpartner treffen eine grundsätzliche Übereinkunft (Kooperationsvertrag) mit den Informationen zur Laufzeit, zu den Arbeitsplänen, zu den Ausgaben/Kosten und dem beantragten Fördervolumen.
Der Landkreis St. Wendel übernimmt die zentrale Aufgabe der Verbundkoordination. Die Aufgaben der Verteillogistik werden von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land mbH (WfG) übernommen. Hier gibt es ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem. Sie legen ein besonderes Augenmerk auf das Handling mit Bio-Produkten und streben ebenfalls eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung an. Die SinkaCom AG als dritter Verbundpartner bietet den technischen Support, leistet die Softwareentwicklung und bringt sich als wichtiger Konzeptionierer ein.

Kommunen

Das Projekt wird in folgenden Kommunen umgesetzt:

St. Wendel, Saarland

20.000 bis 50.000 Einwohner

Land

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Nohfelden, Saarland

bis 20.000 Einwohner

Land

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Oberthal, Saarland

bis 20.000 Einwohner

Land

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Marpingen, Saarland

bis 20.000 Einwohner

Land

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Die Idee zur Smart Village - gut versorgt im St. Wendeler Land fußt auf den vier Säulen Regionalität, Digitalisierung, Ehrenamt und gesellschaftliche Verantwortung. Der Landkreis St. Wendel setzt sich mit dem Projekt für die Erhaltung, Gestaltung und Entwicklung der ländlich geprägten Orte zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der ländlichen Bevölkerung ein. Der Landkreis St. Wendel leistet mit dem Projekt einen aktiven Beitrag zur Sicherung, Verbesserung und Ausdehnung der Grundversorgung der ländlichen Bevölkerung als Element der Daseinsvorsorge.

Das Thema Regionalität hat vor allem den Fokus auf lokale Händler und Akteure sowie Erzeuger, die ökologischen Anbau betreiben. Oft haben kleine, ländliche Betriebe nur einen eingeschränkten Marktzugang (Konkurrenz zu Massenproduzenten) und daneben nur einen kleinen, direkten Kundenstamm. Über die Online-Plattform erweitern sie so nicht nur ihren Absatzmarkt, sondern gemeinsam erfolgt auch eine Stärkung der Region als Marke - ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Mit der Säule der Digitalisierung möchte das Projekt unterstreichen, dass auch der ländliche Raum von der digitalen Transformation profitiert und nicht dadurch abgehängt wird. Die Säule des Ehrenamtes ist von zentraler Bedeutung für gemeinschaftliche Projekte dieser Art. Daher wird im Projekt Smart Village - gut versorgt im St. Wendeler Land konkret das Ehrenamt als Institution gestärkt und Engagierte können sich zu sogenannten Dorfcoaches ausbilden lassen. Ein Dorfcoach ist der Kümmerer oder die Kümmerin eines Dorfes und sie füllen das Konzept der Smart Village mit Leben. Sie unterstützen bei den Online-Bestellungen, kontrollieren die Anlieferungen auf Vollständigkeit, achten auf die Einhaltung der Hygienevorschriften und haben allgemein ein offenes Ohr für die Anwohnerinnen und Anwohner. Schließlich umfasst die Säule der gesellschaftlichen Verantwortung die Verknüpfung ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte. Ziel ist es, das Dorfleben wieder attraktiv zu gestalten und das Dorfgemeinschaftshaus wieder zu einem zentralen sozialen Treffpunkt für Jung und Alt zu machen.

Die Online-Plattform Smart Village - gut versorgt im St. Wendeler Land gilt in Deutschland als Vorzeigebeispiel. Im Landkreis St. Wendel haben sich inzwischen weitere Dörfer angeschlossen (Leitersweiler, Hoof, Dörrenbach, Osterbrücken, Winterbach, Mosberg-Richweiseler, Steinberg-Deckenhardt, Walhausen, Eiweiler). Auch die Anzahl lokaler Händler und Erzeuger, die ihre Ware gerne über die Online-Plattform verkaufen möchten, wächst.

Die Plattform unterstützt lokale Händler und Erzeuger dabei, ihre Produkte online zu vermarkten und so ein größeres Kundenpotenzial zu erschöpfen. Ziel ist es, die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum aufrecht zu erhalten und zu stärken. Damit behebt das Projekt einen großen Standortnachteil im Gegensatz zum städtischen Raum. Als Pilotprojekt gestartet, soll es Vorbild für alle ländlich geprägten Landkreise in Deutschland sein.

Beteiligte Projektpartner

Weiterführende Informationen