Onlineshopping per Tablet

© BMWi

Silke Fillips hat Besuch. Ganz spontan ist die 23-jährige Mathea bei ihrer Mutter hereingeschneit. Das kommt nicht selten vor, die Wege sind kurz in Einbeck, der kleinen Bier- und Fachwerkstadt im Süden Niedersachsens. Gemeinsam machen es sich Mutter und Tochter auf der Couch bequem, auf der sich schon Maine-Coon-Kater Luciano wohlig räkelt. Gemütlich hat es Silke sich eingerichtet, liebevoll Altes mit Neuem kombiniert. „Viele der Sachen habe ich online gekauft“, erzählt sie, „oft gebraucht bei Auktionen oder über private Online-Kleinanzeigen.“ Generell besorgt sich die 50-Jährige viele Dinge über das Netz, neben ihrer Arbeit als Case Managerin im Einbecker Bürgerspital bleibt oft nur wenig Zeit zum Einkaufen. Damit liegt sie im Trend – kauften in den Anfangsjahren des digitalen Handels zunächst nur junge Technikfreaks am Computer ein, so hat sich mittlerweile das Onlineshopping in allen Bevölkerungsgruppen durchgesetzt: zwei Drittel der Menschen zwischen 45 und 64 bestellen regelmäßig Waren im Internet. [Quelle Statista]

Mutter und Tochter beim Onlineshopping per Tablet

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Mutter und Tochter haben nicht nur große Ähnlichkeit, sondern auch viele gemeinsame Interessen. Beide schätzen geschmackvolle individuelle Outfits. Und so greifen sie an diesem Nachmittag bald zum Tablet, um gemeinsam über den weltweiten Modemarktplatz im Internet zu bummeln. Vor allem Mathea findet heute einige Stücke, die ihr gefallen und die sie spontan bestellt: „Ich kaufe so gut wie alles im Netz“. An eine Zeit, in der Offline der Regelfall war, kann sich die junge Frau allenfalls dunkel erinnern. „Online einkaufen ist superpraktisch“, findet sie, „Ich bestelle meistens viele Klamotten, suche aus, was mir gefällt, und schicke den Rest einfach wieder zurück.“ Doch Mathea ist keine reine Onlinerin. „Wenn ich mal einen richtigen Einkaufsbummel mache und durch die Geschäfte stöbere, dann habe ich viel Spaß. Und sicherlich würde ich anders shoppen, wenn ich in einer Großstadt leben würde.“

Eine Aussage, die auch ihre Mutter unterschreiben würde. Silke ist eine begeisterte Hobbyköchin, die mit Leidenschaft Rezepte aus aller Welt ausprobiert. In ihrer Küche hat sie eine Kollektion an Gewürzen: von Ras el-Hanout aus Tunesien bis zu Bockshornklee aus Indien, von japanischen Bonitoflocken bis zu Chimichurri aus Argentinien. Eines haben all die duftenden Zutaten gemeinsam. Silke hat sie nicht in Einbeck gekauft. „Wenn ich mich für ein neues Rezept interessiere, dann kann ich meistens nicht spontan loskochen. Für etwas exotischere Zutaten muss ich mindestens nach Göttingen fahren, wenn nicht gar nach Hannover.“ Das wären Autofahrten von etwa 50, respektive 70 Kilometern. „Das Internet hat meine Küche vielseitiger gemacht“, strahlt sie. Vielen Menschen geht es ähnlich: Ein Ergebnis der Dialogplattform Einzelhandel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) war, dass Menschen im ländlich kleinstädtischen Raum vielfach ein breiteres Warenangebot im stationären Handel vermissen.

Silke Fillips beim Onlineshopping per Tablet

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Silke und Mathea bewegen sich sicher in der digitalen Welt: Obwohl sie auf vielen Plattformen einkaufen und tauschen – im Gegensatz zu den meisten Menschen in Deutschland auch bei Anbietern im Ausland – haben sie bisher noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Wenn sie eine Seite nicht kennen, schauen sie im Netz nach Erfahrungen und Bewertungen anderer Nutzer. Eine Unsicherheit bleibt jedoch: „Wenn wir uns bei einem neuen Portal anmelden und uns darin bewegen, bekommt der Betreiber jede Menge Informationen über uns und unser Verhalten. Wer da was speichert und wie verarbeitet, bleibt meistens unklar“, sind sich Mutter und Tochter einig, „da würden ich wir uns einfach mehr Transparenz und Einfluss wünschen.“ Fragen nach Datenschutz und -souveränität hat das BMWi im Blick, sie nehmen im Grünbuch „Digitale Plattformen“ eine zentrale Stellung ein.

Und so gerne Silke Fillips im Internet unterwegs sind, so dringlich wünscht sie sich ein schnelleres Netz: „Shoppen, Chatten und Nachrichtenlesen ist problemlos möglich. Aber wenn ich mal etwas größere Dateien herunterladen oder einen Videostream ansehen möchte, dann wird es oft etwas nervig“, berichtet sie. Daher gefällt ihr ein Vorhaben der Bundesregierung ganz besonders. In der Digitalen Strategie 2025 ist unter anderem das ehrgeizige Ziel festgeschrieben, dass Deutschland im weltweiten Maßstab eine erstklassige Netzinfrastruktur haben soll. Dann ruckelt das Netz auch in Einbeck nicht mehr. 

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