Ein Mann und eine Frau sitzen auf einem roten Sofa

© BMWi

„…und wenn Sie hier drücken, kommen Sie zurück zur Übersicht.“ Bettina Schröder hat sich mit einem Besucher auf dem roten Sofa in der Bibliothek niedergelassen, um ihm in aller Ruhe einen E-Book-Reader zu erklären. Das macht die Bibliothekarin regelmäßig – im Team der Stadtbibliothek des schleswig-holsteinischen Reinbek ist die 48-Jährige zuständig für alles rund um die digitalen Medien. „Das Vermitteln von Kompetenz in diesem Bereich ist eine der Kernaufgaben von Bibliothekarinnen im 21. Jahrhundert“, bemerkt Bettina Schröder.

So lange sie denken kann, liebt die 48-Jährige Bücher. Besonders gerne erinnert sie sich an ihr Geschichtsstudium an der Universität in Göttingen, an jahrhundertealte Folianten und kiloschwere,  in Leder gebundene Katalogbände aus den Anfangsjahren der Göttinger Bibliothek. Doch natürlich schätzt Bettina Schröder die Vorzüge des Digitalzeitalters und bringt diese Ihren „Kunden“ näher. Ein Renner sind seit einiger Zeit die E-Book-Reader, kompakte Lesegeräte für elektronische Bücher. „Vor ein paar Wochen war ein recht betagter Herr hier und beklagte sich, dass es nur so wenige Bücher in Großdruck gibt. Ich habe ihm dann gezeigt, dass man bei elektronischen Büchern die Schriftgröße nach Belieben ändern kann und habe ihm gleich ein Gerät mitgegeben“,  erinnert sich die Bibliothekarin lächelnd. „Erst war er ziemlich skeptisch, aber als er den Reader zurückbrachte, war er begeistert und fragte gleich, wo er sich denn einen eigenen kaufen könne.“

Bücher für die kompakten Lesegeräte können die Bibliotheksnutzer online ausleihen. Zu diesem Zweck gibt es in ganz Deutschland Onlineportale. Die Bibliothek Reinbek hat sich der “Onleihe zwischen den Meeren“ angeschlossen. Über diese Plattform bieten über 100 öffentliche Bibliotheken in Schleswig-Holstein ihren Nutzern die Möglichkeit, E-Books und andere elektronische Medien über das Netz auszuleihen. „Das kommt gerade bei uns in Reinbek sehr gut an. Wir haben viele Berufspendler nach Hamburg, die zu unseren Öffnungszeiten schlicht und einfach nicht hier sein können. Durch den Onlineservice haben wir viele neue Nutzer gewinnen können“, erklärt Bettina Schröder.

Ein Mann und eine Frau betrachten ein E-Book

© BMWi

Das E-Book ist auf dem Vormarsch – und das natürlich nicht nur in Bibliotheken. Für den Endkundenmarkt für elektronische Bücher brachte das Jahr 2016 eine grundlegende Entscheidung: Auf eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) hin beschloss der Bundestag, die seit 1888 bestehende Preisbindung für Bücher auch auf E-Books auszuweiten. Dies entspricht dem veränderten Leseverhalten der Bürger und stärkt das Kulturgut Buch in seiner Vielfältigkeit. Zudem werden durch die seit dem 1. September geltende Regelung auch bei elektronischen Büchern Anreize für weitere innovative Entwicklungen in einem digitalen Umfeld gesetzt. 

Noch hat das E-Book allerdings nicht alle Leser in Deutschland erreicht: In einer aktuellen repräsentativen Umfrage gaben 43 Prozent der befragten Leser an, nach wie vor ausschließlich zum gedruckten Buch zu greifen. Weitere 24 Prozente bevorzugen das traditionelle Medium, nutzen aber hin und wieder auch elektronische Angebote. Doch auch für diese Leser hat das Digitalzeitalter ein Mehr an Komfort gebracht – sie können online in Katalogen suchen, Bücher vom heimischen Computer oder vom Tablet vorbestellen. Für das kommende Jahr plant man bei der Stadtbibliothek Reinbek einen weiteren digitalen Schritt: „Wir werden alle unsere Medien mit RFID-Chips kennzeichnen“, kündigt Bettina Schröder an. Sie erläutert: „Anders als im Supermarkt dient das nicht primär dem Diebstahlschutz – unsere Besucher sind durchweg ehrliche Menschen. Und diese können dann ihre Bücher ganz bequem selbst verbuchen. Das schafft uns allen, Bibliothekaren und Benutzern, mehr Zeit, uns über unsere gemeinsame Leidenschaft auszutauschen. Und die ist nun einmal das Buch, ob digital oder analog.“