Gruppenbild evalu

© evalu

Persönlicher Laufcoach im Schuh

Laufen kann jeder – und trotzdem dabei viele Fehler machen, zum Beispiel zu wenig auf Abwechslung bei der Trainingsstrecke und beim Tempo achten. Das Münchner Start-up evalu will das ändern und das sportliche Lauftraining mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) besser, individueller und gesünder machen: Seit Mai ist die App evalu.run auf dem Markt, die – basierend auf der Analyse von körperlichen und biomechanischen Daten – eine auf den jeweiligen Nutzer zugeschriebene, optimale Laufgeschwindigkeit vorgibt. „Dahinter steckt eine Software, die an den übermittelten Daten erkennt, wie sich der Läufer verhält, dies verarbeitet und live Feedback in Form eines individuellen Trainingsplans gibt“, erklärt Benedikt Seitz, der das Unternehmen 2014 zusammen mit drei Studienkollegen gründete. 

Notwendig ist dazu ein textiler High-Tech Laufsensor, der in jeden Schuh wie eine Laufsohle eingelegt werden kann. „Die so gemessenen Kräfte, die beim Fußabdruck entstehen, sind grundlegend für die Trainingsgestaltung“, so Seitz. „Tritt der Läufer hart oder weich auf? Wann werden die Muskeln müder und wann ändert sich das Bewegungsmuster?“ Die Laufdaten aus dem Schuh werden per Bluetooth in die Smartphone-App übertragen. „Das ist Künstliche Intelligenz, wenn Software selbstständig erkennt, dass sie reagieren muss und selbstständig neues schaffen kann.“

Für die Erfindung wurde das junge Unternehmen bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem IKT Innovativ-Preis des BMWi. Mit der finanziellen Unterstützung durch das Gründungsprogramm EXIST konnte sich das Start-up im ersten Jahr auf die Entwicklung des Konzepts und des Sensors konzentrieren und dafür einen Big-Data-Spezialisten und eine Biomechanikerin einstellen. „Das zweite Jahr haben wir dann damit verbracht, die Software zu entwickeln und die Smartphone App zu schreiben“, erzählt der 28jährige. Ein komplexes Produkt, dessen Entwicklung und Marktreife Zeit und Geld erforderte: „Ohne EXIST und andere Förderungen gäbe es uns heute nicht.“ Mittlerweile hat das Start-up 18 Mitarbeiter – und schon das nächste Ziel vor Augen: „Wir wollen den individuellen Trainingscoach auch auf andere Sportarten übertragen – von Golf bis Basketball ist alles möglich.“

Roboterprogrammierung leicht gemacht

Ansicht eines Laptops

© artiminds

Industrieroboter bieten ein enormes Anwendungspotential und sind ein entscheidender Schritt bei der Digitalisierung von Produktionsprozessen. Komplexe Bewegungsmuster machen die Programmierung von Robotern allerdings so aufwändig, dass sich der Einsatz aus ökonomischen Gesichtspunkten oftmals nicht lohnt. Hier schafft ein junges Unternehmen aus Karlsruhe Abhilfe: Artiminds Robotics entwickelt spezielle Software, mit der die Programmierung deutlich schneller, intuitiver und kostengünstiger funktioniert. „Die Geschäftsidee war eigentlich trivial, die Problemstellung ist ja uralt“, schildert Sven Schmidt-Rohr, einer der beiden Geschäftsführer. 

Die Software, die Mitgründer Rainer Jäkel entwickelte, geht auf frühere Forschungsarbeiten der beiden Jungunternehmer zurück: Dabei wurden menschliche Bewegungen elektronisch erfasst und direkt auf Roboterarme übertragen. „Daraus haben wir eine neue Software entwickelt, die sich in der Industrierobotik anwenden lässt.“ Auch Artiminds setzt auf Künstliche Intelligenz, die Schmidt-Rohr als Kombination von Lernen und Planen versteht. „Der Mensch muss der Maschine zwar Anweisungen geben, aber Verbesserungen werden selbstständig gelernt und umgesetzt.“

Die Lösung von Artiminds ist einfach: Statt auf aufwändigen Programmiercodes in Textform basiert die Software auf einer Drag-and-Drop-Funktion, mit der die Bewegung des Roboterarms automatisch in eine Programmierung übersetzt wird und so der Roboter selbständig mitlernt. 2015 wurde das Unternehmen von Experten aus dem Silicon Valley zum besten Start-up Europas in Sachen Robotik gekürt. Mittlerweile sind nach eigenen Angaben die Hälfte der deutschen TopTen-Industriekonzerne Kunden und auch kleinere Unternehmen setzen zunehmend auf die Software, die neue Anwendungen für Industrieroboter in fast allen produzierenden Branchen sowie Logistik und Laborbetrieb ermöglicht. Nächster Schritt: das internationale Geschäft. Auf dem US-Markt ist das Karlsruher Unternehmen mit Unterstützung des German Accelerator-Programms des BMWi bereits tätig. Insgesamt hat das Startup Kunden in 10 Industrien und 12 Ländern.

Butler“-Service für Unternehmens-Webauftritte

Junge Männer bei der Arbeit am Rechner

© websitebutler

Wer eine eigene Website haben will, hatte bislang in der Regel zwei Möglichkeiten: Entweder sie in sogenannten Baukastensystemen selbst zu erstellen oder eine von zahllosen Webseite-Agenturen damit zu beauftragen. Das eine erfordert ein gewisses technisches Verständnis, das andere deutlich höhere finanzielle Ausgaben. Ein Berliner Start-up will die Lücke dazwischen schließen und bietet professionelle Websites in Agenturqualität zu günstigen Preisen, inklusive Pflege, Domain und Hosting. „Wir setzen auf Service bei maximaler Qualität zu Preisen, die sich jeder leisten kann”, so Christian Pott, einer der vier Gründer von Websitebutler. Und auf Künstliche Intelligenz: Beim Webdesign kommt KI-gestützte Technologie zum Einsatz, ein Novum auf dem deutschen Markt. Die eigens entwickelte SoftwareJames" ist die Grundlage für den virtuellen Butler für Websites

Vor allem an kleinste, aber auch an mittlere Unternehmen richtet sich das Angebot. Ein vielversprechender Markt: Fast die Hälfte der deutschen Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern hat keine eigene Präsenz im Netz. „Die Gründe sind eigentlich immer dieselben. Die Leute haben keine Zeit, keine technische Affinität oder sind nicht bereit, dafür viel Geld in die Hand zu nehmen“, berichtet Pott aus den Gesprächen, die das Gründer-Quartett noch vor der Gründungsphase mit vielen kleinen Betrieben und Unternehmen geführt hat. 

Das ehrgeizige Ziel von Websitebutler ist es, jede Firma ins Internet zu bringen. Um die unterschiedlichen Anforderungen der heterogenen Zielgruppe – von Ärzten über Handwerker bis hin zu Restaurants – an ihre jeweiligen Websites individuell und kostengünstig erfüllen zu können, haben die Gründer von Websitebutler ihre Expertise mit intelligenten Systemen vereint. „Künstliche Intelligenz hat das Zeug, die Dienstleistungen rund um Websiteerstellung, -wartung und -pflege zu revolutionieren“, ist sich Pott sicher. "Immer wiederkehrende Aufgaben können so automatisiert werden. Das gibt unseren Webdesignern mehr Zeit und Raum für Kreativität.“ Die Technologie kann beispielsweise optische Faktoren wie die Farben der neuen Website auf vorhandene Designelemente wie das Logo abstimmen oder Inhalte aus Werbematerialien automatisch extrahieren. „James“ weiß auch, welcher Bildausschnitt am besten aussieht oder welche Website-Elemente miteinander harmonisieren. Und er ist lernfähig: Kundenfeedback macht das System immer intelligenter und besser. Dennoch ist Individualität der Kern aller von Websitebutler erstellten Websites. Deshalb bleiben sie auch in Zukunft das Ergebnis der Teamarbeit von Mensch und Technik: „Auch in fünf Jahren werden wir noch echte Webdesigner und Programmierer haben.“