Besprechungsrunde

© BMWi

Deutschland ist ein Gründerland – von Nord bis Süd, von Ost bis West. Lernen Sie auf unserer Reise Gründerinnen und Gründer kennen, die ihre innovativen Gedanken Wirklichkeit werden ließen.

Ein Unternehmen zu gründen ist ein wenig wie Laufen lernen – die ersten Schritte sind die schwierigsten. Doch Gründerinnen und Gründer sind dabei nicht allein - wo es nötig und sinnvoll ist, unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) junge Unternehmen mit maßgeschneiderten Programmen und Initiativen. Gerade in der unmittelbaren Gründungsphase kann Unterstützung oftmals gut gebraucht werden.

Alexander Brands mit Stofftier

© windeln.de SE

So erinnert sich Alexander Brand an die Anfangszeit seines Unternehmens: „Der BMWi-Hightech-Gründerfonds hat uns bei der Seed-Finanzierung sehr geholfen. Der Entscheidungsprozess war schnell und transparent“. Inzwischen hat Alexander Brands Gründung windeln.de das Laufen gelernt und sich zu einem Unternehmen mit etwa 500 Mitarbeitern entwickelt, das in zehn Ländern mehrere Zehntausend Produkte für Babys und Kleinkinder über das Internet vertreibt. Doch nach wie vor profitiert windeln.de vom Hightech Gründerfonds: „Auch heute bieten uns die jährlichen Veranstaltungen mit zahlreichen hoch relevanten Teilnehmern eine gute Networking Plattform“, erklärt Gründer und Co-CEO Brand.

Vielfach gilt die Bundeshauptstadt als attraktivster Standort für junge Unternehmen, doch Brand und seine Mitgründer haben sich bewusst für Bayerns Metropole entschieden: „Auch wenn in Berlin die Büroräume günstiger und die Gehälter niedriger sind, fühlen wir uns am Standort München sehr wohl, der vor allem durch seine Lebensqualität besticht und dadurch viele hochqualifizierte Arbeitskräfte anlockt“.

Ebenfalls in Bayern, allerdings im Norden des Landes, treffen wir unsere nächsten Gründer. Und die kamen ganz aus dem Norden – Marieke Otto, Philipp Thiel und Jan Wiesner haben ihr Start up Campusritter in Hamburg aus der Taufe gehoben, mittlerweile sind sie ins fränkische Coburg umgezogen. Ihre Geschäftsidee ist so einfach wie überraschend – das Trio vermietet Fachbücher.

Gruppenbild: Marieke Otto, Philipp Thiel und Jan Wiesner

Gruppenfoto Gründer CampusRitter

© CampusRitter: Foto Hannes Burchert

Während ihres Studiums machten die Gründer dieselbe Erfahrung: Dringend Benötigte Fachbücher waren nicht immer in der Bibliothek verfügbar, teure Anschaffungen wurden oftmals nur für ein Semester gebraucht, oft sogar noch kürzer. So kamen sie auf die Idee, Studenten aktuelle Bücher genauso lange zur Verfügung zu stellen, wie sie diese auch wirklich brauchen. Dabei sind die Campusritter flexibler als jede Bibliothek – die Mietdauer ist unbegrenzt. Hat die Gesamtmiete den Ladenpreis des Buches erreicht, wird der Mieter automatisch zum Eigentümer. Wichtige Unterstützung bekamen die jungen Unternehmer über das Programm „EXIST“, mit dem das BMWi Hochschulabsolventinnen, -absolventen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende bei der Vorbereitung ihrer technologieorientierten und wissensbasierten Existenzgründungen fördert.

Jan Wiesner blickt zurück: „EXIST ist wirklich ein geniales Programm! Es hat uns ermöglicht, weiter an unserer Idee zu arbeiten. Unser Lebensunterhalt war gesichert, ohne Anteile an einen Investor abgeben zu müssen“, sein Mitgründer Philipp Thiel ergänzt: „Ohne EXIST hätten wir nie so schnell an CampusRitter arbeiten können." Und Marieke Otto fasst zusammen: „Trotz des Bürokratiedschungels zu Beginn hat sich die Bewerbung auf das EXIST Stipendium für uns gelohnt. Ich würde es jedem Gründerteam weiterempfehlen.“

Gerrit Richter und Janina Mütze vor einer Tafel

© BMWi

Eine Reise durch die Start-up-Szene Deutschlands wäre ohne eine Station in Berlin bestimmt nicht vollständig. Und so treffen wir Janina Mütze und Gerrit Richter inmitten eines jungen bunten Teams in einem Altbau in Berlins Szenebezirk Kreuzberg. Mütze und Richter sind Gründer von Civey. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Meinungsforschung zu revolutionieren. Civey bietet ein webbasiertes Tool, mit dem jeder Betreiber einer Website Meinungsumfragen in seine Webpräsenz einbinden kann. Gemeinsam mit der Hochschule Rhein-Waal hat das Team ein neuartiges Auswertungsverfahren entwickelt, das zu repräsentativen Ergebnissen führt und die Kosten für Umfragen um bis zu 90 Prozent senkt. Seit dem Sommer 2016 befindet sich Civey in der Beta-Phase. Die Entscheidung, welche Fragen gestellt werden, steht vorerst ausschließlich ausgewählten Partnern zur Verfügung. Doch seine Feuertaufe hat Civey bereits überstanden: Im Vergleich mit allen anderen Meinungsforschungsinstituten belegte man mit der Prognose zur Berliner Abgeordnetenhaus Platz zwei – „und das, obwohl eigentlich alle Institute recht gut lagen“ wie Janina Mütze mit gewissem Stolz anmerkt.

Die Verwirklichung, Entwicklung und Verbesserung einer so komplexen Idee wie Civey sind sehr aufwändig, bis ein marktreifes Produkt vorliegt sind hohe Investitionen erforderlich. Um Kapital für junge technikgetriebene Unternehmen zu aktivieren, gibt es das BMWi-Zuschussprogramm INVEST. Private Geldgeber können bis zu 20 Prozent Ihrer Investition als Zuschuss vom Staat erhalten. „Das hat uns sehr geholfen“, erklärt Janina Mütze, „INVEST erhöht nicht nur die Bereitschaft, zu investieren, sondern auch die Höhe der Summe.“ So konnte eine sichere Basis für Erfolg und Wachstum gelegt werden – und das Civey-Team hat eine Menge vor: „Bis Ende 2016 wollen wir den Beta-Test abschließen und im nächsten Jahr das größte Meinungsforschungspanel Deutschlands aufbauen“, erklärt Gerrit Richter. Und ein marktreifes Produkt in Deutschland ist für den Gründer keineswegs das endgültige Ziel: „Wir wollen so schnell wie möglich in den US-Markt gehen. Denn auch dort gibt es nichts Vergleichbares.“

Von Berlin ins Saarland, wo im November 2016 der Nationale IT-Gipfel stattfindet. Dort, genauer gesagt im Umfeld der Universität des Saarlandes in Saarbrücken haben der Architekt Nikolas Feth und der Diplom Kaufmann Alessandro Quaranta ihr Startup Okinlab gegründet. Sie verstehen ihr Unternehmen als Laboratorium, in dem ein interdisziplinäres Team an der Schnittstelle zwischen Architektur, Design, Informatik und Forschung agiert. Bekannt wurde das Okinlab durch seine Produktreihe „form.bar“. Diese ermöglicht es den Kunden, individuelle Möbelstücke online und in Echtzeit im Rahmen des technisch Machbaren zu gestalten. Die hierbei entstehenden Produktionsdaten werden anschließend an eine Tischlerei in der Nähe des Kunden übermittelt, die das Möbelstück dann fertigt und an den Kunden ausliefert. „Dieses Verfahren hat viele Vorteile für alle Beteiligten“, erläutert Nikolas Feth, „die Kunden bekommen maßgefertigte Möbel, mit denen Sie ihr Wohnumfeld individuell und ergonomisch gestalten können, für einen guten und transparenten Preis. Und zugleich helfen wir den lokalen Handwerksbetrieben mit unseren Aufträgen, ihre teuren Maschinen besser auszulasten“.

Regal

Bücherregal „Freeda“ form.bar

© form.bar by okinlab

 Für diese innovative Idee wurde Okinlab 2013 im BMWi-Gründerwettbewerb IKT innovativ ausgezeichnet. „Diese Auszeichnung bringt viel mehr als nur das Preisgeld“, stellt Gründer Feth rückblickend fest. “So ein Preis bringt Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit. Zudem wirkt er quasi als Gütesiegel für potenzielle Geschäftspartner.“ An die Erfolgsgeschichte dieses von 2010 bis 2015 verliehenen Preises knüpft das BMWi jetzt mit dem Gründerwettbewerb Digitale Innovationen an. Ab dem 1. Januar 2017 können sich Günderinnen und Gründer für die neue Runde 1/2017 bewerben Als Auszeichnung für seine Heimat sieht es Nikolaus Feth, dass der nationale IT-Gipfel in diesem Jahr zum ersten Mal an der Saar stattfindet: „Ich werte das als Anerkennung für meine Heimat als guten Ort für Gründung und Innovation. Das ist für unser Saarland eine schöne Sache!“